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22.09.2014 von Silvana Arndt

Barfuß laufen

Fußtherapie „unten ohne“

Barfuß laufen

Laufschuhe sind wohl eine der entscheidendsten Utensilien beim Ausdauersport. Wie viel sollten sie federn und dämpfen? Welches Material ist das geeignetste? Was muss getan werden, wenn das Laufen nur mit Einlagen schmerzfrei möglich ist? Und trotz all dieser guten Überlegungen können die Schuhe am Ende doch reiben, drücken, unbequem sein. Warum tun wir uns das also überhaupt an?

Der Äthiopische Marathonläufer Abebe Bikila sollte 1960 in Rom bei den Olympischen Spielen antreten. Doch seine Laufschuhe waren so sehr durchgelaufen, dass er sie nicht mehr nutzen konnte. Kurzerhand trat er also barfuß, wie auch in seiner Heimat, an – und gewann den Lauf nach 2:15:16 Stunden. Er stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Sind wird barfuß also besser und schneller?

Was Schuhe mit Füßen machen

Tatsächlich. Barfuß ist der Mensch schneller, da keine Dämpfung für mehr Reibung sorgt. Moderne Laufschuhe eifern inzwischen diesem Ideal hinterher. Allerdings sind Alltagsschuhe nach wie vor eine regelrechte Vergewaltigung für den Fuß. Gemäß zahlreicher Wissenschaftlern und Orthopäden tragen sie auch Schuld an Fehlstellungen wie Knick-, Senk- oder Spreizfuß.

Die Schuhe stauchen unsere Füße bereits seit dem Kindesalter an. Durch das schnelle Wachstum sind sie oft nach wenigen Wochen bereits zu klein. Außerdem verhindert ihre eigentlich beabsichtigte Schutzfunktion die korrekte Entwicklung der Fußmuskultur. Bänder und Sehnen bilden sich durch die geringe Belastung zurück.

Der Fuß ist jedoch ein flexibles Körperteil, welches fähig ist, sich an jeden Untergrund anzupassen und die Schritte entsprechend optimal abzufangen. Die Stabilität und der Gleichgewichtssinn, die er dem menschlichen Körper schenkt, sind nur einige seiner positiven Eigenschaften.

Vorteile des Barfußlaufens

Diese lassen sich insgesamt durch das Barfußlaufen steigern. Denn durch die erhöhte Beanspruchung und somit besser geförderte Ausbildung der Fußmuskeln können noch weitere Vorteile ausgemacht werden. Das schuhlose Laufen ist beispielsweise eine der besten Präventivmaßnahmen gegen Fersensporn und Achillessehnenentzündung. Dies hat wiederum Vorteile für die Wirbelsäule und verringert Rückenprobleme.

Auch Hühneraugen und Hallux Valgus beugt das Barfußlaufen vor. Es stimuliert zudem die Reflexbögen in der Fußsohle und hat dadurch auch eine positive Auswirkung auf innere Organe, Blutdruck und Herz-Kreislauf-System. Schon der Naturheiler Sebastian Kneipp wusste um diese Wirkung und empfahl Barfußlaufen als Kurmittel. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollten ihre Schuhe möglichst oft ausziehen.

Risiken beim Barfußlaufen

Allerdings ist hier noch stärker als ohnehin schon beim Barfußlaufen Vorsicht geboten. Denn Kinderhaut ist noch empfindlicher. Während unsere Vorfahren meist auf weichen Waldböden liefen, so sind die heutigen Untergründe nicht mehr so geeignet und teilweise auch durch Verschmutzungen und Scherben gefährlich. Barfußläufer haben ein erhöhtes Verletzungsrisiko und sollten darum stets um eine aktuelle Tetanus-Impfung bemüht sein.

Auch wenn die nackten Füße Deformationen vorbeugen können – sind solche bereits diagnostiziert, sollte unbedingt zunächst Rücksprache mit dem Orthopäden gehalten werden. Eine Verbesserung tritt nicht immer ein, wenn die Deformation durch Knochenfehlstellungen herrührt ohnehin nicht.

Bestimmte Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes sind ebenfalls eine schwierige Ausgangssituation. Durch das verminderte Schmerzempfinden in den Füßen werden Verletzungen verspätet oder gar nicht wahrgenommen und es kann schnell zu Infektionen kommen. Auch Überlastungserscheinungen sind mögliche Folgen – dies kann jedoch allen Barfuß-Einsteigern passieren.

Was zu Anfang beachtet werden muss

Wer das erste Mal seit langer Zeit auf Schuhe verzichtet, wird feststellen, dass es nicht nur ungewohnt, sondern auch anstrengend ist. Die vom festen Schuhwerk verwöhnten Füße müssen erst langsam an ihre ursprüngliche Belastung herangeführt werden. Orthopäden raten dazu, 10 bis 30 % des Tages wenn möglich auf Schuhe zu verzichten. Die einfachste Umsetzung gelingt in den eigenen vier Wänden. Dort auf Socken oder barfuß zu laufen hilft bereits den Fuß umzugewöhnen.

Der Harvard-Professor Daniel Liebermann hat herausgefunden, dass sich durch das Barfußlaufen auch der Laufstil ändert. Während wir in Schuhen den Schritt mit der Ferse beginnen, landen wir ohne ihn eher auf dem Vor- oder Mittelfuß. Mit dieser Technik ist es insbesondere auch Läufern möglich, ihr Training barfuß auszuüben. Hier werden jedoch maximal 10-15 Minuten-Einheiten in den ersten Wochen empfohlen. Zudem sollten die Schritte kürzer ausfallen und die Geschwindigkeit verringert werden.

Das Magazin Runner‘ s World hat für alle Barfuß-Lauf-Anfänger vier Tests zusammengestellt, anhand derer die bereits vorhandene Eignung zum Schuhverzicht erprobt oder geübt wird. Zunächst wird die Dehnbarkeit der Waden, dann der Großenzehe überprüft. Wenn auch ein sicherer Einbeinstand und eine alleinige Bewegung der Großenzehe möglich sind, sind die Voraussetzungen gut. Allerdings schaffen selbst erprobte Läufer nicht jeden Test.

Barfuß-Schuhe und Barfuß-Parks

Wem zu Beginn das Joggen mit nackten Füßen noch zu unangenehm ist, für den könnten Barfußschuhe eine geeignete Lösung darstellen. Sie legen sich wie eine zweite Haut um den Fuß und schließen die Zehen einzeln ein. Das entstehende Laufgefühl ist fast so natürlich wie ohne und zusätzlich schützend. Allerdings eignen sie sich nicht für jeden Läufer. Hier muss in Ruhe getestet werden. Grundsätzlich gilt: Die „Fünf-Finger-Schuhe“ sind nicht als Ersatz sondern als Ergänzung im Schuhschrank zu sehen.

Dennoch ist dieser Trend bei immer mehr Läufern verbreitet, die das federleichte Gefühl als sehr angenehm empfinden. Da diese Schuhmodelle noch nicht lange auf dem Markt sind, ist die Produktvielfalt noch überschaubar. Die wohl bekannteste Ausführung ist der Vibram Five Finger Shoe, allerdings gibt es auch sehr gute Modelle von z. B. Adidas, Puma oder Mizuno. Preislich bewegen sich die meisten Modelle zwischen ca. 50,- und 110,- €. (Quelle: testberichte.de)

Um die Vorzüge der Barfußschuhe umfassend genießen zu können, empfiehlt es sich, einen geeigneten, weichen Untergrund aufzusuchen. Dafür (aber auch für „richtiges“ barfußlaufen) gibt es inzwischen zahlreiche Barfuß-Parks oder -Pfade, die über ganz Deutschland verteilt sind. Auf barfusspark.info lassen sich sowohl die regionalen Pilgerstätten, als auch Informationen und Gestaltungsvorschläge für solche finden. So kann sogar der heimische Garten ein Barfußparadies werden.

 

Quellen: blog.tagesanzeiger.ch | welt.de | fitforfun.de | derwesten.de | barfuss-trend.de | joggen-online.de

Foto: © Jenner - Fotolia.com

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Schöner Artikel
Ich finde der Artikel lässt sich sehr schön lesen und nachdem ich mich hier informiert habe bin ich noch auf die Seite http://barfussschuh-test.de/ gekommen und habe mir letzten Endes ein Vibram Modell gekauft. Danke dafür!
Jan
28 November 2016 - 21:21

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