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01.03.2012 von

Trennkost Diät

Wie sinnvoll ist die Haysche Trennkost für übergewichtige Läufer?

Trennkost Diät

Die Trennkost ist eine der unzähligen Diäten, von der sich Menschen schnelle Erfolge beim Abnehmen versprechen. Zu den modernsten Formen der Ernährung zählt die Trennkost dabei allerdings nicht, denn sie ist bereits über 100 Jahre alt! Der „Erfinder“ der Trennkost ist der New Yorker Arzt William Howard Hay (1866-1940), der diese Diät im Jahr 1907 entwickelte und an sich selbst ausprobierte. 

Hay war schwer nierenkrank und zudem übergewichtig und konnte sich selbst mit der Trennkost heilen. Statt seine Trennkost-Diät aber nur Nierenkranken ans Herz zu legen, wurde daraus eine Ernährungsempfehlung für die breite Masse. Die Postulate, die der Hay’schen Trennkost zugrunde liegen, gelten mittlerweile zwar als wissenschaftlich widerlegt; trotzdem ist es möglich, durch die Trennkost-Diät abzunehmen und sich dabei zugleich gesund zu ernähren – von kleinen Einschränkungen abgesehen.  

Bis auf Hülsenfrüchte sind fast alle Lebensmittel erlaubt, wenn nur darauf geachtet wird, eiweißhaltige und kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel nicht zusammen auf den Teller zu bringen.

Die Prinzipien der Trennkost

Hay ging davon aus, dass der Grund seiner Nierenerkrankung sowie der meisten anderen körperlichen Leiden der Menschheit in einer Übersäuerung des Organismus liegt. Zu dieser Übersäuerung trage laut Hay hauptsächlich die gleichzeitige Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydraten bei, die angeblich nicht zusammen verdaut werden und daher zu Gärungsprozessen im Dünndarm, Magen-Darm-ProblemenÜbergewicht, einem erhöhten Harnsäurespiegel und einer Vielzahl anderer gesundheitlicher Probleme führen können.

Den Nachweis für die Richtigkeit der Trennkost meinte Hay am Beispiel der Hülsenfrüchte erbringen zu können, die sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiß enthalten und tatsächlich schwer verdaulich sind und bei vielen Menschen Blähungen hervorrufen.

Hay unterteilte die Lebensmittel in 3 Klassen, hier von der Apotheken-Umschau aufgelistet:

  1. Kohlenhydratreiche Lebensmittel, zum Beispiel: Vollkorn oder Reis
  2. Eiweißreiche Lebensmittel, zum Beispiel: Fleisch und Fisch
  3. Neutrale Lebensmittel, zum Beispiel: Fette und Gemüse

Die weiteren Richtlinien zur Anwendung der Hayschen Trennkost sehen laut DGE vor, dass bei der täglichen Ernährung 80 Prozent der Lebensmittel Basenbilder wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sein sollten und nur 20 Prozent Säurebildner, zu denen Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte gehören. Die neutralen Lebensmittel wie Butter und Öle können aber mit beiden Lebensmittelgruppen kombiniert werden.

Weiter gibt es die Empfehlung, zwischen zwei Mahlzeiten eine Pause von drei bis vier Stunden zu lassen, in Ruhe zu essen und dabei gründlich zu kauen und die Verteilung der Nährstoffe so vorzunehmen, dass die Basenbildner Obst und Gemüse überwiegend am Vormittag, Eiweiß zum Mittagessen und Kohlenhydrate zum Abendessen verzehrt werden. Während die ersten beiden Ratschlage einen Sinn ergeben (langsam essen führt zu einem erhöhten Sättigungsgefühl), gibt es doch erhebliche Zweifel, dass die Einnahme bestimmter Stoffe zu bestimmten Zeiten wirklich einen Nutzen hat.

Die Trennkost aus heutiger Sicht

Die Annahme, dass die gleichzeitige Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydraten den Verdauungstrakt des Menschen überfordert, ist medizinisch nicht haltbar, was sich auch daran erkennen lässt, dass schon die Muttermilch beide Nährstoffe enthält. Das deutsche Ernährungsberatungs-und informationsnetz dazu: „Die Aussagen über die Verdauung und den Säure-Basen-Haushalt sind schlichtweg falsch. Eine Trennung von Eiweiß und Kohlenhydraten ist nicht möglich, weil viele Lebensmittel beide Hauptnährstoffe enthalten.

Kohlenhydrat- und eiweißspaltende Enzyme werden gleichzeitig in den Darm ausgeschüttet, so dass beim gesunden Menschen eine gleichzeitige Verdauung von Kohlenhydraten und Eiweiß gewährleistet ist. Der menschliche Körper besitzt ein effektives Puffersystem, um den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren.“

Zum Abnehmen eignet sich die Trennkost unter Umständen aber trotzdem, da eine Ernährung mit großen Mengen Obst und Gemüse fast zwangsläufig dazu führt, dass insgesamt weniger Kalorien aufgenommen werden und somit eine Gewichtsreduktion wahrscheinlich ist.

Die Deutsche Gesellschaft empfiehlt, dass die Ernährung mit Trennkost nach Hay “als langfristige Ernährungsform nicht zu empfehlen“ ist. Das liegt an der Unterversorgung von Fisch und Käse. Die Schweizerische Vereinigung (SVE) für Ernährung kann der Trennkost aber auch einige positive Aspekte abgewinnen, zum Beispiel: "daß sich die Leute mit der Ernährung auseinandersetzen müssen. Sie überlegen sich vor dem Essen, was sie essen wollen und dürfen." Insgesamt sind sich Wissenschaftler einig, dass die Trennkost gute Ansätze bietet, insgesamt aber wenig fundierte Aussagen und Prinzipien überwiegen.

Positiv:

  • Eine Auseinandersetzung mit der Ernährung
  • Viel Gemüse
  • Wenig Fleisch

Negativ:

  • Unterversorgung an wichtigen Nahrungsmitteln und Stoffen, zum Beispiel Kalzium
  • Falsche Informationen über Lebensmittel werden verinnerlicht
  • Keine wissenschaftliche Grundlage
  • Keine Reduzierung der Kalorien, sondern nur die Zusammensetzung ändert sich
  • Auf Krankheiten keinen Einfluss, daher Gefahr der falschen Behandlung

Unlogisch an den Prinzipien der Hayschen Trennkost ist nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch die Einteilung mancher Lebensmittel in kohlenhydrat- und eiweißhaltige. Zum Beispiel wird der Grünkohl den Kohlenhydraten zugeordnet, obwohl er über einen ebenso hohen Anteil an Proteinen verfügt. Und Quark, der bei der Trennkost als neutral gilt, müsste eigentlich zu den besonders eiweißreichen Lebensmitteln gerechnet werden.

Nebenwirkungen

Das Essen nach der Trennkost kann einige Nebenwirkungen mit sich bringen: Durch die mangelnde Nährstoffversorgung kann es zu Mangelerscheinungen kommen, Müdigkeit und verminderte Konzentration sind zu erwarten. Besonders der eklatante Kalziummangel kann die Knochen langfristig schädigen, gerade bei Kindern äußerst gefährlich. Krankheiten, die Hay mit der Trennkost behandeln will, lassen sich jedoch nicht mit dieser heilen. Also unbedingt einen Arzt aufsuchen bei Nierenbeschwerden oder ähnlichem und nicht auf Hays Erfahrungen vertrauen.

Worauf Läufer beim Abnehmen mit der Trennkost achten sollten

  • Wie andere Ausdauersportler auch, haben ambitionierte Läufer in vielen Fällen einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen. Eine Kombination von sportlichen Höchstleistungen und der Trennkost ist nicht vereinbar, da der Körper zu geschwächt ist.
  • Da der Verzicht auf Fleisch und Fisch zu einer möglichen Unterversorgung mit Eiweiß führt, müssen diese Lebensmittel  durch sinnvolle Kombinationen ersetzt werden. Mahlzeiten aus Kartoffeln und Eiern oder Milch und Getreide sind solch empfehlenswerte Eiweißkombinationen, auch wenn sie laut Hay nur getrennt verzehrt werden sollten. Auch sind ausgerechnet die für Vegetarier so wichtigen Hülsenfrüchte bei der Trennkost-Diät verboten.
  • Läufer, die sich zu strikt an die Trennkost-Regeln halten, sollten auch bedenken, dass der Anteil an Getreide, das sehr kohlenhydratreich ist, bei dieser Diät stark reduziert ist. Zumindest während der Marathonvorbereitung, bei der es auch um die optimale Füllung der Glykogenspeicher geht, sollten sich die betroffenen Läufer über die Prinzipien der Trennkost hinwegsetzen.
  • Schwangere und stillende Läuferinnen sowie ältere Sportlerinnen haben einen erhöhten Bedarf an Calcium, dessen ausreichende Zufuhr bei strenger Einhaltung der Ernährungsprinzipien der  Hay’schen Trennkost möglicherweise nicht gewährleistet ist.

© A. Grunewald – Fotolia.com

 

Fazit

  • Die von William Howard Hay 1907 entwickelte Trennkost sieht vor, die Aufnahme von Kohlenhydraten und Eiweiß zu trennen.
  • Die Grundannahmen der Hayschen Trennkost sind widerlegt, trotzdem ist diese überwiegend vegetarische Ernährungsweise mit Einschränkungen zum Abnehmen geeignet.
  • Läufer, die mit der Trennkost abnehmen wollen, sollten sich bewusst sein, dass ein zu striktes Befolgen der Ernährungsregeln dazu führen kann, dass sie zumindest zeitweise mit wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen unterversorgt sein können.
 
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