18.09.2012 von

Laufschuhe für Frauen

Worauf Frauen bei Laufschuhen achten sollten

Zwar bieten die meisten Hersteller heutzutage unterschiedliche Laufschuhmodelle für Männer und Frauen an, doch viele dieser Modelle unterscheiden sich nur optisch und in der Größe. Aber der durchschnittliche Frauenfuß ist nicht einfach nur ein kleinerer Männerfuß. Frauenfüße haben nicht nur andere Proportionen als Männerfüße, Frauen sind außerdem beweglicher und haben andere Anforderungen an die Dämpfung eines Laufschuhs.

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Unterschiede zum männlichen Fuß

Das Online-Magazin runnersworld.de kann verschiedene Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfüßen angeben. Zum einen sind Frauenfüße deutlich schmaler und flacher als Männerfüße, was das Volumen der Füße senkt, und die Proportionen zwischen Ferse und Vorderfuß sind anders. So sind Frauenfüße zumindest im Verhältnis von Ferse zu Vorderfuß breiter. Weiterhin ist anzuführen, dass bei Frauen das Fußgelenk tiefer sitzt als bei Männern. Und auch die Winkelstellung der Beine zum Boden ist bei Frauen anders, als bei Männern. Aufgrund der breiteren Hüfte haben Läuferinnen zum anderen auch häufiger X-Beine, was beim Laufen zu einer stärkeren Pronation führen kann.

Simon Bartold von der University of Melbourne und sein Team haben in einer Studie außerdem herausgefunden, dass der Frauenfuß aufgrund des wechselnden Hormonhaushaltes innerhalb des Monats verschiedene Anforderungen an den Laufschuh stellt. Mit steigendem Östrogenspiegel sinkt die Spannkraft des Gewebes und das Fußgewölbe senkt sich ab. Dies hat direkte Auswirkungen auf den so genannten Windlass-Mechanismus, der beim Laufen für eine höhere Vortriebskraft sorgt.

Auf diese Unterschiede muss bei der Konstruktion von Frauenschuhen geachtet werden.

Tübinger Studie zum optimalen Aufbau von Frauenschuhen

Was unterscheidet den Frauenlaufschuh von einem Herrenlaufschuh? Dieser Frage haben sich die Forscher der Bio-Mechanik Abteilung der Sportmedizin der Universität Tübingen gewidmet und sie haben dabei erstaunliches zutage gefördert. Gemeinsam mit dem Sportschuhhersteller Nike haben die Forscher und Forscherinnen unter der Leitung von Professor Thomas Horstmann, der lange Jahre Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart war, beinahe 2000 Frauen- und Männerfüße untersucht und die Ergebnisse ihrer Studie nun der Öffentlichkeit präsentiert. Im Mittelpunkt der Betrachtung standen dabei die Themen orthopädische Diagnostik, die unterschiedlichen Beweglichkeitsmöglichkeiten von Frauen und Männern und die verschiedenen Trainingsansätze.

Deutliche Unterschiede in der Konstruktion von Laufschuhen

Besonders auf die Konstruktion der Mittelsohle haben die genannten Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutliche Auswirkungen. Die Dämpfung ist bei Frauenlaufschuhen im Allgemeinen deutlich leichter als bei Männern. Frauenlaufschuhe benötigen weniger Federung, dafür aber eine höhere Flexibilität, denn die natürliche Elastizität des herkömmlichen Sohlenmaterials ist auf die Körpermasse des Mannes ausgelegt. Durch eine Reduktion der Dämofung kann der Materialaufwand für Frauenschuhe deutlich reduziert werden.

Professor Horstmann und sein Team haben für Frauenschuhe außerdem folgende Empfehlungen gegeben: Im Vorderfuß sollten zusätzliche Flexkerben für eine höhere Flexibilität sorgen. Gleiches soll auch eine dünnere Zwischensohle erreichen. Einige Hersteller bieten auch bei den Stabilitätselementen in der Mittelsohle geschlechtsspezifisch unterschiedliche Varianten. In Nike-Laufschuhen sind dies zum Beispiel unterschiedliche Form und Härte der Air-Kissen und Asics bietet unterschiedliche Mittelsohlenkonzepte für Männer und Frauen an. Reebok reduziert dagegen bei Frauenlaufschuhen die Höhe des Materials in der Zwischensohle um einige Millimeter.

Empfehlung

Laufschuhe für FrauenDie Autoren Thomas Steffens und Martin Grüning geben in Ihrem Buch „Das Laufbuch für Frauen“ (erschienen 2007 im Rohwohlt Taschenbuch Verlag) an, dass etwa 90% der Läuferinnen zu kleine Laufschuhe tragen. Unpassende Laufschuhe können jedoch zu blauen Zehennägeln, so genannten Hammerzehen oder im schlimmsten Fall zu einer Stressfraktur des Mittelfußknochens führen. Frauen sollten sich daher beim Laufschuhkauf keinesfalls mit einem Schuh zufrieden geben, der zwar an der Ferse gut sitzt, aber im Vorfuß-Bereich nicht weit genug ist. Beim Laufschuhkauf ist wichtig, dass der breiteste Teil des Fußes nicht seitlich über die Mittelsohle hinausragt und die Ferse nicht „schwimmt“. Einzig zwischen Zehen und Schuhspitze sollte ungefähr eine Daumenbreite Platz gelassen werden.