
In der warmen Jahreszeit verlegen viele Läufer ihr Training vermehrt in die Natur und genießen ihre Wald- und Crossläufe, die sie querfeldein führen. Leider beginnt im Frühsommer aber auch die auch Zeckensaison, wovon nicht nur der Süden Deutschlands - vor allem Bayern, Hessen und Baden-Württemberg -, sondern in geringerem Ausmaß inzwischen alle Bundesländer betroffen sind. Ebenso sieht es in Österreich und der Schweiz aus.
Zecken können Träger von Infektionskrankheiten sein
Zecken sind zwar nur kleine Tierchen, und ihr Biss ist völlig schmerzlos, da der Speichel der Tiere eine betäubende Wirkung hat, aber sie sind in der Lage, schwerwiegende Erkrankungen wie Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) zu übertragen. Beim Laufen im Sommer- zwischen Juni und September - ist also erhöhte Vorsicht geboten, um gesundheitliche Gefahren durch Zeckenbisse zu vermeiden. Die meisten Zeckenbisse laufen zum Glück glimpflich ab, aber rund fünf Prozent aller Zecken sind entweder mit Borreliose oder FSME infiziert. Die FSME oder Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine fieberhafte Viruserkrankung, die zu schweren Hirnhautentzündungen und Dauerschäden wie Lähmungen des Zentralnervensystems führen kann. Bei Langzeituntersuchungen wurde herausgefunden, dass sich nur knapp 20 Prozent aller Betroffenen von FSME erholen. Die Hälfte der Untersuchten behielt Funktionsstörungen bei und 30 Prozent starben sogar daran! Für die Behandlung der FSME stehen keine Medikamente zur Verfügung, was zur Folge hat, dass vor allem viele ältere Menschen an ihr sterben. Das Fieber setzt dabei nicht sofort nach dem Zeckenstich ein, sondern erst rund 10 Tage danach. Bis die übrigen Symptome auftreten, kann sogar noch mehr Zeit vergehen.
Zecken sind für Läufer aber auch deshalb gefährlich, weil sie Träger des Borreliose-Erregers sein können. Borreliose ist eine durch Zecken übertragbare Infektionskrankheit, die noch nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren die unterschiedlichsten Gewebe und Organe – wie Gelenke, Nerven, Herz, Augen und Hirnhäute- befallen kann.
Gegen FSME gibt es mittlerweile eine Schutzimpfung, nicht aber gegen die Borreliose, die bei Ausbruch nur mit Antibiotika bekämpft werden kann. Für Läufer in Risikogebieten – wie auch für Gärtner, Waldarbeiter und alle, die sich viel im Freien aufhalten – wird eine Impfung gegen den FSME Virus empfohlen, während Experten von flächendeckenden Zeckenschutzimpfungen abraten.
Warum Läufern besondere Gefahr durch Zecken droht
Beim Laufen kommt man leicht ins Schwitzen – und genau das lieben die Zecken. Sie bevorzugen die feuchte Wärme, wie sie ihnen das nackte Bein eines Läufers verspricht. Sie erkennen aufgrund bestimmter Signale, wie der im Schweiß vorhandenen Buttersäure, dass ein Mensch oder Wirtstier in der Nähe ist. Von der Vorstellung, dass Zecken vor allem auf Bäumen sitzen, dort geduldig warten, bis ihr Opfer – der Waldläufer – unter ihnen vorbeiläuft und sich dann blitzartig auf den Sportler fallen lassen, muss man Abschied nehmen: Zecken halten sich nämlich vornehmlich in Gestrüpp und hohem Waldgras auf – und zwar in einer Höhe von 80 bis 150 cm. Sie können sich auch nicht einfach auf den Menschen fallen lassen, sondern müssen von ihm abgestreift werden, weshalb das Abstand halten zu Gestrüpp und Gräsern so wichtig ist.
So schützt man sich beim Laufen vor Zecken
Im Frühsommer und Sommer sollten Läufer in den von Zecken besonders befallenen Gebieten auf Crossläufe durch Gebüsch und hohes Gras sowie auf Waldläufe durch Unterholz verzichten. Außerdem sollte zu Bäumen, Gräsern und Büschen genügend Abstand gehalten werden. Das Einreiben mit Insektenschutzmitteln ist kein absoluter Schutz beim Laufen, reduziert aber die Gefahr für rund zwei Stunden. Vor allem die Beine sollten vor Zeckenbissen geschützt werden, indem lange und eng anliegende Tights sowie Socken und feste Laufschuhe getragen werden. Auf kurze Laufhosen und ärmellose Shirts sollte verzichtet werden. Helle Farben sind dabei zu bevorzugen, da so die Zecken leichter erkannt werden.
Nach einem Querfeldeinlauf ist es sinnvoll, sich gründlich auf mögliche Zecken hin zu untersuchen. Auch die Kleidung sollte systematisch nach ihnen abgesucht werden. Zecken benötigen geraume Zeit, bis sie durch die feste menschliche Lederhaut an das Blut gelangen. Während sie oft noch mehrere Stunden auf der Suche nach weichen Hautfalten sind, die sie leichter mit ihren Mundwerkzeugen durchbohren können, hat der Läufer noch die Chance, sie zu entdecken und rechtzeitig zu entfernen, bevor sie sich erfolgreich festgesetzt haben und in Kontakt mit der Blutbahn gekommen sind.
Bevorzugte Einstichstellen der Zecken sind Ohren, Hals, Kopfhaut, Hände und Füße der Läufer sowie die Beugen der Arme und der Knie. Ältere Läufer, deren Immunsystem nicht mehr so widerstandsfähig ist und Läufer, die in Risikogebieten trainieren, sollten über eine Impfung gegen Zeckenenzephalitis nachdenken. Kinder hingegen sind keine bevorzugten Opfer von Zecken, da sie weniger stark schwitzen als Erwachsene.
Von Unverträglichkeiten des FSME-Impfstoffes bei schwangeren und stillenden Frauen ist zwar bisher nichts bekannt, trotzdem sollten Nutzen und mögliche Risiken zusammen mit dem Impfarzt sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Eine Zeckenschutzimpfung für Kinder wird allgemein nicht empfohlen, da Kinder weniger schwitzen als Erwachsene und daher nicht zur bevorzugten „Zielgruppe“ der Zecken gehören.
Was Läufer nach einem Zeckenbefall tun sollten
Wer sich beim Laufen eine Zecke geholt hat, sollte sie sofort mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette nahe an der Haut greifen und ruckartig gerade herausziehen, wobei darauf zu achten ist, den Hinterleib nicht zu zerquetschen, da sonst Viren in die Wunde gelangen könnten. Das Drehen der Zecke in eine bestimmte Richtung sowie das Abtöten der Tiere durch Alkohol, Öl oder Nagellack sollte besser unterbleiben, da sonst der Speichelfluss der Zecke verstärkt wird, was das Übertragen von Krankheitserregern fördert. Nach dem Entfernen der Zecke sollte die Einstichstelle desinfiziert und vier Wochen lang beobachtet werden. Treten Entzündungen und sich vergrößernde Rötungen auf, ist sofort ein Arzt aufzusuchen! Auch ist bei Symptomen wie Gelenkschmerzen oder Leistungsabfall daran zu denken, dass möglicherweise eine Infektion durch Zecken die Ursache ist und nicht ein Übertraining des Läufers.
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