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02.04.2012 von

Antioxidantien

Sportliche Leistungssteigerung durch Antioxidantien?

Antioxidantien

Bis vor wenigen Jahren wurde von vielen Sportlern angenommen, dass die Einnahme von Antioxidantien in Form von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungen die sportliche Leistungsfähigkeit steigern könne. Außerdem wurde sich von antioxidativen Nahrungsergänzungsmittelnein besserer Schutz vor Sportverletzungen, eine Verkürzung der Regenerationszeit und eine Vorbeugung vor Infekten versprochen.

Mittlerweile ist bei der Beurteilung von künstlichen Antioxidantien allerdings eine Ernüchterung eingetreten, da nie ein Nutzen für den Einnehmenden bewiesen werden konnte und zudem Studien zu bedenken geben, dass selbst eine schädliche Wirkung der Nahrungsergänzungsmittel nicht ausgeschlossen werden könne.

So belegen umfangreiche Studien des National Cancer Institute unter anderem, dass künstliche Antioxidantien bei Sportlern das Diabetesrisiko erhöhen können; und bei Rauchern, die große Mengen von Beta-Carotin verabreicht bekamen, stieg das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Antioxidantien und ihre Aufgaben im Organismus

Antioxidantien werden auch „Radikalenfänger“ genannt, weil ihnen die Aufgabe zukommt, die so genannten Freien Radikale unschädlich zu machen, die für Zellschäden aller Art verantwortlich gemacht werden. Freie Radikale sind sehr aktive Sauerstoffverbindungen, die bei der Energiegewinnung und der Immunabwehr entstehen und dabei durch die UV-Strahlung sowie Schadstoffe in der Luft und Chemikalien noch unterstützt werden. Auch Rauchen, Alkohol und Stress fördern die Entstehung freier Radikale. 

Je höher der Energieumsatz ist – etwa durch ein intensives Lauftraining -, desto mehr freie Radikale entstehen im Körper. Diese sind nun aber nicht per se schädlich, sondern erst dann, wenn der Organismus nicht mehr genügend Antioxidantien zur Verfügung hat, die diese Radikale neutralisieren. Der daraus resultierende oxidative Stress ist unter anderem für das Grau werden der Haare verantwortlich sowie für den Alterungsprozess ganz allgemein, und wird auch in Verbindung mit der Entstehung von Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und bestimmter Krebsarten gebracht.

Freie Radikale können also eine Gefährdung für den Körper sein, die er mit Vitaminen, mit antioxidativer Wirkung, zu bekämpfen versucht. Wissenschaftler haben schon länger herausgefunden, dass besonders Vitamin A und C dem Körper dabei helfen, den Schaden der Radikale zu verhindern. Vitamin C findet sich in den meisten Obstsorten, besonders in Citrusfrüchten, Vitamin A in vielen Tierprodukten wie zum Beispiel Milch.

Brauchen Sportler antioxidative Nahrungsergänzungen?

Durch sportliche Betätigung gehen unter anderem auch Vitamine verloren. So verliert ein Läufer bei einem Marathon in fünf Litern Schweiß zum Beispiel auch bis zu zehn Milligramm Vitamin C. Dieses Antioxidans muss aber nicht durch ein Vitaminpräparat zugeführt werden, denn schon eine Kiwi bringt es auf 80mg!

Gesunde Sportler, die durch eine abwechslungsreiche Ernährung alle nötigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich nehmen, brauchen keine zusätzlichen Antioxidantien. Sportler, die gesund sind, werden durch hohe Dosierungen von Antioxidantien nicht noch gesünder. Statt künstlicher Antioxidantien sollten sie daher auf eine Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse achten, die eine Fülle von natürlichen Antioxidantien enthalten und keine unerwünschten Nebenwirkungen aufweisen.

Anders sieht es allerdings bei Sportlern aus, die sich extrem ernähren, zum Abnehmen eine strenge Diät einhalten oder unter bestimmten Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen leiden, sowie bei Personen, die eine Krankheit wie zum Beispiel eine Stoffwechselstörung haben. Wenn ein Sportler etwa gegen Fruchtzucker allergisch ist und deshalb kein Obst zu sich nehmen kann, ist ein Mangel an bestimmten Antioxidantien wie Vitamin C möglich, der dann auch durch künstliche Vitaminergänzungenausgeglichen werden sollte.

Von zusätzlichen antioxidativen Nahrungsergänzungen profitieren also nur Menschen, bei denen ein entsprechender Mangel vorliegt:

"Es ist bekannt, dass Menschen mit unausgewogener Ernährung, Raucher, Alkoholiker, chronisch Kranke, alte Menschen, Personen mit erhöhtem Stress oder Schwangere und Stillende von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren können", erklärt Wolters. "Unsere Studie zeigt einen Nutzen aber auch für jüngere Seniorinnen, die eine ausgewogene Ernährung praktizierten und keiner dieser Risikogruppen angehören."

(Prof. Andreas Hahn und Dr. Maike Wolters vom Institut für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb gesunde Sportler keine zusätzlichen Dosen Antioxidantien benötigen: Ihr Organismus stellt sich auf die zusätzliche Belastung durch freie Radikale dadurch ein, dass er seine enzymatische Abwehr erhöht! Das geschieht vor allem beim regelmäßigen Training im Ausdauerbereich. So leiden gut trainierte Ausdauersportler wie Langstreckenläufer deutlich weniger unter Zellschädigungen, die auf das Konto der Freien Radikalen gehen.

Warum Antioxidantien gerade für Sportler nicht zu empfehlen sind

Wer viel Sport treibt, sollte sich vor der Einahmen von zusätzlichen Antioxidantien besonders hüten, sofern er keiner der oben erwähnten Risikogruppen angehört, die unter Mangelerscheinungen leiden. Dafür gibt es folgende Gründe:

  • Die Bekämpfung Freier Radikaler durch antioxidativ wirkende Nährstoffe ist bei Sportlern kontraproduktiv, denn bei ihnen kann die vermehrte Entstehung der Freien Radikalen eine regelrechte Schutzimpfung gegen oxidativen Stress darstellen, da die körpereigene Abwehr stark angeregt wird. Dieser Effekt wird durch die Einnahme von Vitaminen zunichte gemacht.
  • Antioxidantien stehen in Verdacht, das Diabetesrisiko zu erhöhen. Dadurch, dass sie die Bildung Freier Radikaler verhindern, die in Verbindung mit sportlicher Betätigung einen positiven Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel besitzen, könnten sie möglicherweise die Gefahr erhöhen, an Diabetes vom Typ 2 zu erkranken.

Wie Professor Dr. Michael Ristow von der Universität Jena in Untersuchungen an knapp 40 jungen Männern herausfand, führt die zusätzliche Einnahme von Vitamin C und E dazu, dass die gesundheitsfördernden Wirkungen von Sport und viel körperlicher Bewegung unterdrückt werden. Auf künstliche Antioxidantien – vor allem in hohen Dosierungen – sollte daher verzichtet, und stattdessen reichlich Obst und Gemüse verzehrt werden, die diese negativen Effekte nicht aufweisen.

Foto: (c) patmucphotography | Fotolia.com

 

Fazit

  • Antioxidantien können Freie Radikale neutralisieren, die in der Lage sind, die Körperzellen zu schädigen
  • Gesunde Sportler ohne Mangelerscheinungen benötigen keine künstlichen Antioxidantien und sollten stattdessen viel Obst und Gemüse verzehren
  • Hohe Dosierungen von Antioxidantien verhindern den Impfeffekt gegen oxidativen Stress, der sich ansonsten bei regelmäßiger sportlicher Betätigung einstellt
  • Antioxidantien können für Sportler sogar schädlich sein, da sie die positiven Wirkungen des Trainings auf den Blutzuckerspiegel zunichte
 
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