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von Jennifer Albrecht

Schwitzen beim Sport

Schweiß - das Kühlsystem des Körpers

Schwitzen beim Sport

Schwitzen ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema und wird im Alltag oft als unangenehm und peinlich empfunden, wenn es vom Gegenüber wahrgenommen wird.

Rund zwei bis vier Millionen Schweißdrüsen auf der menschlichen Hautoberfläche, besonders an den Füßen, den Händen und an der Stirn, erledigen täglich ihre Arbeit und erfüllen dabei eine wichtige Funktion: Sie schützen den Körper vor Überhitzung.

Durch das Absondern der salzigen Flüssigkeit, die wir als Schweiß bezeichnen, benetzen sie die Haut und sorgen so dafür, dass Verdunstungskälte entstehen kann. Diese ist verantwortlich dafür, dass unsere Körpertemperatur konstant bleibt oder gegebenenfalls sogar sinkt. Dabei verdunstet der Schweiß auf der Hautoberfläche und sorgt so für Abkühlung.

Schwitzen Sportler weniger?

Die Annahme, dass Sportler aufgrund des besser trainierten Körpers weniger schwitzen als Menschen, die keinen Sport betreiben, hält sich hartnäckig, ist aber ein Irrtum. Wahrscheinlich entsteht diese falsche Schlussfolgerung daraus, dass Sportler durch ihre Kondition oft weniger schnell ins Schwitzen geraten als ein Untrainierter, weil der Körper eines Sportlers höhere Belastungen gewohnt ist und daher weniger schnell in Anstrengung gerät. Tatsächlich sondern Sportler bei körperlicher Betätigung im Gegensatz zu untrainierten Menschen sogar fast die doppelte Menge an Schweiß ab.

Doch warum ist das so? Wie oben bereits erwähnt, sorgt Schweiß für eine Abkühlung des Körpers. Trainiert nun zum Beispiel ein Jogger, werden auch die Schweißdrüsen trainiert. Der Körper denkt mit. Er sorgt für eine umfangreichere Kühlung während der Belastung und somit für mehr Leistungsfähigkeit. Während der Untrainierte nun also weniger schwitzt, dafür aber zum Beispiel schon eine Körpertemperatur von 39°C erreicht hat und somit an seine Leistungsgrenze stößt, kann der trainierte Läufer mit teilweise bis zu 2°C weniger deutlich mehr leisten. (Hierüber hat auch Runnersworld geschrieben) Der Leistungseinbruch ist bei Sportlern und Nichtsportlern jedoch ungefähr gleich, da sich dieser nach der Körpertemperatur richtet. Während eines Marathons kann diese auf bis zu 39°C ansteigen. Ab 42°C wird es jedoch kritisch, denn dann werden die lebenswichtigen, roten Blutkörperchen zerstört. Eine solche Temperatur erreicht der Körper jedoch nur bei hohem Fieber, nicht aber beim Sport. Spätestens ab dieser Temperatur sind dann auch die Schweißdrüsen mit der Abkühlung des Körpers überfordert.

Schwitzen und Laufen

Schwitzen ist also eine ganz normale Reaktion des Körpers und in Bezug auf die Leistungsfähigkeit sogar positiv zu bewerten. Dennoch gibt es einige Dinge, die der Läufer bei hohem Schweißverlust beachten sollte.

Es liegt auf der Hand: Schweißverlust bedeutet Flüssigkeitsverlust. Ausreichendes Trinken etwa eine Stunde vor dem Training oder Marathon, sowie bei Bedarf auch während des Sports, versteht sich von selbst. Ob ein Trinken über den Durst hinaus notwendig ist, darüber scheiden sich die Ansichten von Sportwissenschaftlern. Einige sind jedoch der Ansicht, dass der eigene Körper ausreichend früh Signale gibt, wenn ihm etwas fehlt – bei Flüssigkeitsmangel natürlich in Form von Durst.

Der Geschmack von Schweiß verrät, dass es nicht nur pures Wasser ist, welches durch das Schwitzen verloren geht. Auch Mineralstoffe und vor allem Natrium und Jod werden durch den Schweiß ausgeschieden. In der normalen Ernährung, aber besonders bei hohen Leistungen im Sport, sollte daher auf einen Nährstoffausgleich geachtet werden - zum Beispiel, indem das Wasser leicht gesalzen wird. Steffny empfiehlt 1,5 Gramm Salz auf einen Liter Wasser. Auch spezielle Sportgetränke können den Nährstoffhaushalt ausgleichen. Hierbei können isotonische Getränke besonders schnell vom Körper aufgenommen werden, da ihren osmotisch aktiven Teilchen dem des menschlichen Blutes entsprechen. Ein bewährtes Sportgetränk ist daher auch alkoholfreies Bier, wie zum Beispiel Erdinger Alkoholfrei. Von Bier mit Alkoholgehalt ist abzuraten, da Alkohol eine flüssigkeitsentziehende Wirkung hat.

Um Erkältungen zu vermeiden, spielt außerdem die Kleidung eine wichtige Rolle. Spezielle Laufkleidung ist so konzipiert, dass sie den Schweiß nach außen trägt und es so auch im Winter nicht zu einem Wärmestau unter der Kleidung kommt. Für eine optimale Temperaturzirkulation sollte auch in der Alltagskleidung geachtet werden. Falsche Kleidung ist häufig Mitursache für den unangenehmen Schweißgeruch und die vermehrte Schweißproduktion. Der Schweiß kann durch diese Fasern fast gar nicht nach außen gelangen und so können die Bakterien auf der Hautoberfläche den Schweiß noch leichter zersetzen, wodurch der charakteristische Schweißgeruch entsteht.

Schwitzen in der Sauna – ist das gesund?

Was im Alltag stört, ist in der Sauna sogar gesund. Hier unterstützt das vermehrte Schwitzen in feuchter, mäßig warmer Luft (wie in der römischen Sauna) oder trockener, noch wärmerer Luft (in der finnischen Sauna) für eine vermehrte Schweißproduktion. Giftstoffe können so aus dem Körper gespült werden und damit das Immunsystem stärken. Die Sauna soll dabei zusätzlich für Entspannung und Ruhe sorgen.

Für Menschen, die bereits erkältet sind, ist die Sauna jedoch nicht der richtige Ort. Für den Körper wäre die zusätzliche Hitze eine zu große Belastung. Die Sauna kann also Erkältungen vorbeugen, jedoch nicht Nachsorgen.

Krankhaftes Schwitzen

Ist das Schwitzen nicht mehr nur an körperliche Anstrengung oder große Hitze gebunden, sondern tritt ständig oder willkürlich auf, können ernstzunehmende Ursachen dahinterstecken. Einige Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs und Diabetes, sorgen für eine erhöhte Schweißproduktion, auch bekannt als Hyperhidrose. In diesem Fall sollte also dringend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser wird zwischen einem generalisierten Schwitzen, also einem Schwitzen am ganzen Körper, und einem fokalen Schwitzen, ein auf bestimmte Körperteile begrenztes Schwitzen, unterscheiden. Doch nicht immer steckt eine ernste Krankheit hinter der vermehrten Schweißproduktion. Die feuchten Hände, das nasse Gesicht oder die Schweißfüße sind dabei nicht selten vererbt, oft leiden bereits Verwandte unter diesen Symptomen. Abhilfe schaffen manchmal Medikamente, die jedoch nicht selten Nebenwirkungen haben, die den Patienten massiv einschränken, wie zum Beispiel Müdigkeit oder permanente Mundtrockenheit.

Eine nebenwirkungsfreie Methode bietet die Leitungswasser-Iontophorese. Mittels Gleichstrom in einem Wasserbad werden die Schweißdrüsen manipuliert. Doch wie die Methode genau wirkt, ist nicht ganz geklärt, verrät Uwe Schlese von der Berliner Charité gegenüber test.de.

„Vermutlich verengt der Gleichstrom die Schweißporen und irritiert das Nervensystem, so dass es weniger Impulse an die Schweißdrüsen aussendet.“

Während der Schwangerschaft oder den Wechseljahren kann ein vermehrtes Schwitzen übrigens aufgrund der Hormonumstellungen ganz natürlich sein. Im Zweifel sollte jedoch auch hier ein Arzt konsultiert werden.

Weitere Quellen:

 http://www.apotheken-umschau.de/schwitzen

Foto: © Jackie Foster | istockphoto

 

Fazit

  • Schwitzen dient dem Organismus zur Regulierung der Körpertemperatur.
  • Trainierte Läufer schwitzen viel mehr als untrainierte.
  • Über das Schwitzen gehen neben Wasser auch Mineralstoffe verloren.
  • Übermäßiges Schwitzen kann ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.
 
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Kann euch nen kleinen Artikel der Firma Odaban empfehlen, die erklären super wieso wir schwitzen. https://www.odaban.de/warum-schwitzen-wir/
Lena
02 Januar 2015 - 18:12
Sauna
Der part über Sauna ist bedingt richtig. Es werden keine Giftstoffe rausgeschwitzt. Sauna schweiß ist wie normaler Schweiß (außerhalb der Sauna) und da werden auch keine Giftstoffe rausgeschwitzt. Die Sauna regt die Durchblutung an, was sich positiv auf den Körper auswirken kann, jedoch spielt der mentale Aspekt eine wesentlich größere Rolle. Das jemand mal komplett abschalten kann ist heutzutage selten und die Sauna ist ein hervorragender Ort dafür.
Darude
03 November 2014 - 20:12

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