0 Kommentare
17.08.2012 von

Nackenschmerzen

Nackenschmerzen beim Lauftraining

Nackenschmerzen

Zwei Drittel der Bevölkerung leidet mindestens einmal im Leben unter Nackenschmerzen, wobei Frauen von diesen schmerzhaften Muskelverspannungen im Nacken häufiger betroffen sind als Männer. Die Schmerzen im Nacken- und Halswirbelbereich können bis in die Schultern und Arme ausstrahlen und sind meistens auf Verspannungen der Halsmuskulatur zurückzuführen. Auch Läufer bleiben von gelegentlichen Nackenschmerzen nicht verschont. In der Regel klingen die Beschwerden nach einigen Tagen oder Wochen von selbst wieder ab, aber es gibt auch häufig wiederkehrende und chronische werdende Nackenschmerzen, die zu starken Bewegungseinschränkungen im Sport und im Alltag führen können.

Zwar sind die Ursachen von Nackenschmerzen in der Mehrzahl der Fälle harmloser Natur, bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten können sie aber auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein. Leiden Läufer unter chronischen oder wiederkehrenden Nackenbeschwerden, sollten sie unbedingt ihren Laufstil einer Analyse unterziehen und auch abklären, ob muskuläre Dysbalancen Schuld sind an den Schmerzen im Schulter-Nackenbereich. Übungen zur Dehnung der Hals- und Nackenmuskeln, eine Optimierung der Lauftechnik sowie eine frühzeitige effektive Behandlung haben dabei gute Aussichten auf Erfolg, während die Heilungsprognose bei Patienten mit chronischen Beschwerden deutlich schlechter ist.

Die unterschiedlichen Formen des NackenschmerzesEine schlechte Haltung kann zu Nackenschmerzen führen

Nackenschmerzen werden in akute und chronische Beschwerden unterteilt, wobei Nackenprobleme dann als chronisch gelten, wenn sie länger als drei Monate fortbestehen. Akute Nackenschmerzen entstehen oft durch Verkühlungen des Nackens, die unangenehme Verspannungen zur Folge haben. Vor allem Zugluft beim Fahren mit offenem Autofenster oder auf dem Fahrrad kann schnell zu einem „steifen Hals“ führen. Auch ein Sturz, ein Aufprall, eine falsche Bewegung oder ein Stoß können die Ursachen von akuten Nackenproblemen sein.

Unter chronischen oder ständig wiederkehrenden Nackenschmerzen leiden besonders Menschen, die in Berufen arbeiten, bei denen sie lange Zeit unbeweglich in ein und derselben Stellung aushalten müssen (z. B. Büroangestellte und LKW-Fahrer) – selbst dann, wenn sie dies in aufrechter Haltung tun. Noch mehr führt aber eine schlechte Haltung mit vorgeneigtem Kopf, rundem Rücken und hochgezogenen Schultern auf Dauer zu schmerzhaften Muskelverspannungen in Hals, Nacken, Kopf und Schultern.

Symptome des Nackenschmerzes

Die im Bereich des Nackens und des Halses extrem bewegliche Wirbelsäule ist aufgrund dieser Beweglichkeit auch höheren Belastungen der Muskulatur ausgesetzt als andere Wirbelsäulenabschnitte. Auch kommt es in der Halswirbelsäule leicht zu Verschleißerscheinungen und einer Abnutzung der Wirbelkörper, die mit schmerzhaften Bewegungseinschränkungen einhergehen können, die einem Muskelkater ähneln.  Gesellen sich noch Nervenreizungen oder Nervenschädigungen hinzu, sind Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle die Folge. Die Nackenschmerzen können bis zwischen die Schulterblätter, die Arme und Hände sowie in den Hinterkopf ausstrahlen und zu Verspannungen in diesen Körperregionen führen.

Ist die Ursache der Nackenschmerzen in einem Bandscheibenschaden an der Halswirbelsäule zu finden, können die Beschwerden, statt allmählich zu verschwinden, mit der Zeit immer stärker werden und zu Berührungsempfindlichkeit und Kraftstörungen führen. In einem solchen Fall, sowie auch nach Nackenschmerzen in Folge eines Schleudertraumas (Autounfall, Sturz) oder eines schweren Schlags, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, da es möglicherweise zu einem Wirbelbruch gekommen ist. Bei schwerwiegenden Verletzungen im Nackenbereich – vor allem bei teilweisen oder völligen Lähmungen der Arme und Beine – ist ein Notarzt erforderlich!

Sind Symptome wie sich verstärkende Nackenschmerzen beim Versuch, das Kinn an die Brust zu legen, vorhanden, ist an eine Meningitis (Gehirnhautentzündung) zu denken, wie sie durch Zeckenbisse ausgelöst werden kann. Zu den Nacken- und Kopfschmerzen gesellen sich oft noch Übelkeit und Erbrechen hinzu sowie Schwindelgefühle, Ohrgeräusche, Sehstörungen, Fieber, Müdigkeit und Verwirrtheit. 

Mögliche Ursachen von Nackenschmerzen

Falsches sitzen am Arbeitsplatz kann Nackenschmerzen verursachen

  • falsches Sitzen am Arbeitsplatz (z. B. zu hoher Schreibtisch oder ungünstige Aufstellung des Monitors)
  • falsches Liegen im Bett (z. B. auf Kissen, die den Nackenbereich nicht unterstützen)
  • Zugluft durch Radfahren, Autofahren mit offenem Fenster oder beim Lauftraining (oft im Zusammenhang mit einer Erkältung)
  • Nackenschmerzen nach einem Autounfall oder einem Sturz
  • Muskelzerrungen aufgrund einer falschen Bewegung
  • ein Bandscheibenvorfall oder andere Verschleißerscheinungen im Bereich der Halswirbelsäule (z. B. durch Osteoporose)
  • eine Entzündung der Wirbelkörper (Spondylitis)
  • Gehirnhautentzündung  
  • eine rheumatische Erkrankung
  • Skoliose (Fehlstellung der Wirbelsäule)
  • bestimmte Infektionskrankheiten wie eine Salmonellen-Infektion
  • neurologische Erkrankungen, Gefäßerkrankungen oder Tumore

Neben diesen physischen Ursachen spielt bei Nackenschmerzen auch die Psyche eine große Rolle, was in Redensarten wie „die Angst sitzt mir im Nacken“ oder „die Last der ganzen Welt auf den Schultern tragen“ gut zum Ausdruck kommt. Bei Ängsten oder beruflichem und privatem Stress kann sich ein regelrechter Teufelskreis aus seelischer Anspannung und Nackenschmerzen ergeben, die sich gegenseitig verstärken.

Welche speziellen Ursachen der Nackenschmerz bei Läufern haben kann

Eine gut ausgeprägte Rückenmuskulatur hilft, Nackenschmerzen zu vermeidenLeiden Sportler hauptsächlich beim Lauftraining unter Nackenschmerzen, sollten sie folgende Fragen klären:

  • Könnte ein fehlerhafter Laufstil der Grund für die schmerzenden Nackenverspannungen sein? Läufer, die Fehler in der Lauftechnik aufweisen und mit hochgezogenen Schultern, einem runden Rücken oder hängendem Kopf trainieren, können durch eine Optimierung ihrer Lauftechnik sowie der richtigen Kopf- und Körperhaltung nicht nur ihre Anfälligkeit für Verspannungen und Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich reduzieren, sondern ihre gesamte Laufleistung verbessern.
  • Sind muskuläre Dysbalancen Schuld an den Nackenschmerzen? Muskelverkürzungen im Bereich von Schultern und Nacken sollten ebenfalls nicht außer Acht bleiben, wenn Läufer beim Training von Nackenproblemen geplagt werden, denn gerade die tonische Muskulatur (Haltemuskulatur) im Hals neigt dazu, sich zu verkürzen, wenn sie nicht ausreichend benutzt wird.
  • Ist die Muskulatur des oberen Rückens genügend entwickelt? Läufer, die die phasische Muskulatur (Bewegungsmuskulatur) des Rückens zwischen den Schulterblättern nicht ausreichend trainieren, riskieren eine Verkümmerung dieser Muskeln, die zu einer zunehmendem Wölbung des oberen Rückens führen. Das wiederum führt dazu, dass sich die Halswirbelsäule, im Bestreben, zu verhindern, dass der Kopf nach vorn hängt, stark krümmt, wodurch sich die Nackenmuskulatur verspannt und Druck auf die benachbarten Nerven ausübt.
  • Sind die Nackenschmerzen die Folge unzureichender Laufbekleidung? Nicht nur bei kaltem Wind können sich Läufer den Nacken verkühlen, sondern auch im Sommer, wenn sie während des Trainings stark schwitzen. Während ein Tuch, ein Schal oder eine den Nacken schützende Laufjacke in der kalten Jahreszeit helfen können, Nackenschmerzen zu verhindern, ist im Sommer darauf zu achten, dass die Laufbekleidung aus Funktionsmaterialien hergestellt ist, die den Schweiß vom Körper weg nach außen transportieren. Auf Baumwolle, die sich mit Feuchtigkeit regelrecht vollsaugen kann und somit Erkältungen und Nackenverspannungen Vorschub leistet, sollte verzichtet werden.

Diagnose der Nackenprobleme

Nicht nur nach Unfällen, sondern auch bei starken oder lang andauernden Nackenschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden, der zur Diagnostik der Beschwerden in der Regel zuerst eine orthopädische Untersuchung durchführt und die Funktionen der Muskeln und Gelenke in Hals, Nacken und Schultern überprüft sowie feststellt, ob eventuell ein eingeklemmter Nerv für die Nackenschmerzen verantwortlich ist. Sollten weitere Untersuchungen angezeigt sein, stehen dem Arzt bildgebende Verfahren wie die Röntgenuntersuchung, die Computertomographie und die Magnetresonanztherapie zur Verfügung, und auch Blutuntersuchungen können unter Umständen notwendig werden. Bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung muss zusätzlich das Hirnwasser untersucht werden.

Die Therapie der Nackenschmerzen

Wichtig, um die Nackenmuskulatur nicht zu schwächen, ist, sich so normal wie möglich weiter zu bewegen bzw. die gewohnten Tätigkeiten nach erfolgter Behandlung so früh wie möglich wieder aufzunehmen. Nur auf „Über-Kopf-Arbeiten“ wie Decken streichen und Bewegungen und Sportarten, die die Nackenwirbel stark belasten (wie Radfahren), sollte verzichtet werden. Ansonsten helfen sportliche Aktivitäten wie Joggen, Walken, Schwimmen, Gymnastik und Yoga dabei, die schmerzenden Nackenverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Beim Lauftraining ist allerdings auf die richtige Laufbekleidung zu achten, auf die Beseitigung von Fehlern in der Lauftechnik sowie auf den Ausgleich muskulärer Dysbalancen im Bereich der Brust und des oberen Rückens durch Krafttraining und Dehnübungen der entsprechenden Muskelgruppen.

Je nach Ursache der Beschwerden, können außerdem folgende Maßnahmen bei Schmerzen im Nacken hilfreich sein:

  • Eisanwendungen, Wärme (durch Rotlicht, Wärmepflaster, durchblutungsfördernde Salben, Fangopackungen, Sauna, Bäder oder warme Schals und Tücher) und Massagen sowie Elektrostimulation helfen bei Nackenschmerzen, indem sie die Durchblutung fördern und die Muskeln lockern
  • Schmerztabletten, muskelentspannende Medikamente sowie entzündungshemmende und durchlutungsfördernde Antirheumatika (wie Ipuprofen oder Diclofenac)
  • Akupunktur
  • eine Nackenrolle, die hilft, die Nackenmuskulatur während der Nacht gut zu entspannen
  • das Tragen einer Halskrause
  • der Besuch einer Rückenschule, physiotherapeutische Übungen und das Erlernen rückenschonender Alltagsbewegungen

Operative Therapien können vor allem nach Bandscheibenvorfällen notwendig werden, wenn konservative Behandlungen keine Linderung der Nackenschmerzen bringen.

Übungen zur Vorbeugung und Behandlung von Nackenschmerzen

Mit Hilfe folgender Übungen kann Nackenschmerz sowohl behandelt als auch vorgebeugt werden:

  • Dehnen der seitlichen Halsmuskeln: Die recht Hand liegt auf der linken Schulter, der Kopf wird nach rechts geneigt. Mit der rechten Hand nun die linke Schulter eine halbe Minute lang nach unten drücken, anschließend wieder aufrichten und die Übung mit der anderen Schulter ausführen.
  • Nacken dehnen: Das Kinn Richtung Brust ziehen, 30 Sekunden halten und wieder lockern. Anschließend den Kopf nach links drehen, das Kinn wieder senken, so dass es in Richtung der rechten Schulter weist und diese Stellung wieder halten. Dasselbe auf der anderen Seite. Zum Schluss eine Hand in den Nacken legen, den Kopf vorsichtig nach hinten neigen und nochmals 30 Sekunden halten.
  • Schultern lockern: Einatmen und dabei die Schultern bis zu den Ohren anheben, einige Sekunden halten und mit einem langen Ausatmen wieder senken. Mehrmals wiederholen.
  • Schultern und Nacken kräftigen: Mit lockeren Schultern die Finger vor dem Brustkorb verhaken und dann mit runden Rücken und nach unten gerichtetem Blick die Schulterblätter auseinander ziehen, anschließend zusammendrücken und danach wieder aufrichten.  Etwa 5 Mal wiederholen.
  • Nacken und Schultern lockern: Mit hüftbreit auseinander stehenden Füßen aufrecht stellen und mit unbewegtem Schultergürtel die Arme locker von einer zur anderen Seiten schwingen. Bis zu 20 Mal wiederholen.

Diese Übungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, um Nackenschmerzen effektiv vorzubeugen.

Nackenschmerzen: Was tun?

Was tun, wenn der Nacken schmerzt? Bei Nackenschmerzen raten inzwischen auch viele Experten zum Taping. Die oftmals bunten Pflaster, erfunden vor ca. 30 Jahren von einem japanischen Arzt, fördern die Durchblutung und können zu einer allgemeinen Linderung der Beschwerden führen. Gerade Nackenschmerzen resultieren häufig aus Verspannungen der Muskeln, die durch Taping behoben werden können. Durch die Tapes werden die entsprechenden Muskeln und Bänder so entlastet, dass der Heilungsprozess beschleunigt wird. Mediziner raten zwar dazu, bei ernsthaften Problemen das Taping einem Arzt zu überlassen, wie sich der Sportler jedoch schnell selbst tapen, zeigen wir hier: 

Tapen bei Nackenschmerzen: hier wird ein Partner benötigtTapen von Nackenschmerzen mit einem Y-TapeTapen des Nacken-und SchulterbereichsTapen des Schulter- und Nackenbereichs

Weitere Übungen zur Prophylaxe von Nackenbeschwerden

Da die Wirbelsäule mit Schmerzen reagiert, wenn sie über längere Zeit ihre geschwungene Doppel-S-Form nicht einnehmen kann, ist die richtige Haltung beim Sitzen, Liegen, Laufen und Stehen besonders wichtig, um Nackenschmerzen vorzubeugen. Auch sollte die Haltung häufig gewechselt werden und nicht über einen längeren Zeitraum unverändert beibehalten werden. Um Nackenprobleme zu verhindern, ist darauf zu achten, dass die Schultern nicht hoch gezogen werden, der Kopf gerade aufgerichtet ist und sich kein Rundrücken bildet. Auch ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann entscheidend sein bei der Prophylaxe von Nackenschmerzen.

Weiter sollten ruckartige Bewegungen sowie Zugluft vermieden werden, die Nackenverspannungen begünstigen. Wer besonders empfindlich auf Kälte und Wind reagiert, sollte seinen Nacken entsprechend schützen (Schal, Tuch) und versuchen, sich durch Wechselduschen oder Saunagänge abzuhärten. Auch Maßnahmen wie Fango- und Wärmepackungen sowie das Erlernen von Entspannungsmethoden wie dem Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung können dazu beitragen, das Auftreten von Nackenschmerzen zu reduzieren, da Wärme und Entspannung schmerzhaften Verkrampfungen im Nackenbereich entgegenwirken.

Wenn keine ernsthafte Erkrankung vorliegt, weder der Laufstil noch der Trainingszustand zu bemängeln sind, und sich die Nackenschmerzen trotz aller Maßnahmen ständig wiederholen, könnte es sein, dass die Seele den Körper nicht gesunden lässt und nicht der Arzt, sondern ein Psychotherapeut der adäquate Ansprechpartner für die Nackenprobleme ist. 

Neben diesen physischen Ursachen spielt bei Nackenschmerzen auch die Psyche eine große Rolle, was in Redensarten wie „die Angst sitzt mir im Nacken“ oder „die Last der ganzen Welt auf den Schultern tragen“ gut zum Ausdruck kommt. Bei Ängsten oder beruflichem und privatem Stress kann sich ein regelrechter Teufelskreis aus seelischer Anspannung und Nackenschmerzen ergeben, die sich gegenseitig verstärken.

Foto (c) Stefan Redel | Fotolia.com

 

Fazit

  • Nackenschmerzen lassen sich oft auf Haltungsfehler, Verschleißerscheinungen oder Verkühlungen zurückführen.
  • Leiden Sportler beim Lauftraining unter Nackenbeschwerden, können Fehler in der Lauftechnik, muskuläre Dysbalancen oder Verkühlungen durch unpassende Laufbekleidung ursächlich sein.
  • Lindernd bei Nackenschmerzen wirken Eisanwendungen, Wärmebehandlungen und Massagen.
  • Die richtige Haltung im Sitzen, Liegen und Laufen sowie Kraft- und Dehnübungen für den Schulter- und Nackenbereich helfen, Nackenschmerzen vorzubeugen.
 
4.1 von 5 Sternenbei 66 Bewertungen
Weitere Artikel


Kommentare

Array

Kommentar abgeben

CAPTCHA
Bitte geben Sie die angezeigten Zeichen in das Feld unten ein. (Groß- und Kleinschreibung wird nicht beachtet)
 

0 Kommentare