Die Laufbandanalyse
Was bringt eine Laufbandanalyse wirklich
Der menschliche Gang ist sehr komplex und wird von vielen Variablen beeinflusst. Die Laufbandanalyse bietet in diesem Zusammenhang die Erfassung von möglichen Gangstörungen nach Verletzungen bzw. Operationen (1). Darüber hinaus bietet eine Laufbandanalyse auch die Möglichkeit Fehlstellungen in der Statik der am Gang beteiligten Gelenke (Fuß, Knie, Hüfte) zu erkennen, und so geeignete Massnahmen zur Prävention degenerativer Veränderungen zu treffen.
Grundlagen zur Laufbandanalyse
Die videogestützte Laufbandanalyse erfasst den Bewegungsablauf beim Laufen auf einem speziellen Laufband durch Videoaufnahmen von vorne, hinten und den Seiten. Bei einigen Systemen messen Drucksensoren gleichzeitig die auf das Laufband wirkenden Kräfte (Fußdruckmessung). Die Videoaufnahmen werden durch eine spezielle Software computergestützt analysiert. Dabei gibt es unterschiedliche Verfahren, wie z.B. Videomix, Overlay oder Stroboskop. Als „Videomix“ bezeichnet man ein Analyseverfahren, dass mehrere Videoclips vergleichend nebeneinander legt. Beim „Overlay“ werden Videosequenzen übereinander gelegt. Die Stroboskopdarstellung zeigt Bewegungssequenzen als Mehrfachbelichtung in einem Bild. Die einzelnen Videosequenzen werden zudem computergestützt vermessen. Aus den Vermessungsdaten ergeben sich die Bewegungswinkel der einzelnen Gelenke, die eventuelle Fehlstellungen der Gelenke aufdecken.
Fehlstellungen und Anwendungsgebiete
Die häufigsten Fehlstellungen betreffen die Fußgelenke, vor allem als übermässige Pronations- und Supinationsstellung. Die Pronation ist eine natürliche Dämpfungsbewegung des Fußgelenks im Bereich des unteren Sprunggelenks und bezeichnet eine Einwärtsdrehung des Fußes. Dabei wird der äußere Fußrand gehoben und der innere Fußrand gesenkt. Wenn diese natürliche Bewegung beim Abrollen des Fußes zu stark ausgeprägt ist, spricht man von einer Überpronation. Als Folge werden der Fußinnenrand, die Sehnen, Gelenke und Bänder stärker belastet. Die Laufbandanalyse zeigt eine eventuelle Überpronation durch die Vermessung der Winkel und der Druckverteilung bei der Fußdruckmessung zuverlässig an. Aus den Ergebnissen lassen Empfehlungen für spezielle Laufschuhe mit Pronationsstützen und die Versorgung mit individuellen Einlegesohlen ableiten.
Neben der Überpronation kommt seltener die Unterpronation vor, die auch als Supination bezeichnet wird. Der äußere Fußrand kippt dabei nach außen weg. Auch hier wird der passive Bewegungsapparat übermässig stark belastet. Die Laufbandanalyse gibt gegebenenfalls Aufschlüsse über den Grad der Fehlstellung und es kann eine Empfehlung zu speziellen Schuhen und Einlagen ausgesprochen werden.
Eine grafische Darstellung zur Pronations- und Supinationsproblematik findet man auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sportbundes (2).
Die Laufbandanalyse kann neben der Fehlstellungen des unteren Sprunggelenks auch Fehlstellungen des oberen Sprunggelenks, der Kniegelenke und der Hüfte erkennen. Neben einer sportärztlichen Untersuchung sollte ein angehender Ausdauersportler eine Laufbandanalyse durchführen, um gesundheitliche Probleme möglichst auszuschließen. Fehlstellungen wie X- oder O-Beine und Beinlängendifferenzen führen im normalen Leben eher selten zu Problemen, bei sportlicher Belastung, und hier speziell bei ausdauernden Sportarten wie dem Laufen, können sich allerdings schnell fehlstellungsinduzierte Beschwerden einstellen.
Die funktionale Betrachtung
Die Laufbandanalyse bietet die Möglichkeit zu einer funktionalen Betrachtung des Laufens. Als Basis wird hierfür zunächst eine Barfußmessung durchgeführt. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind unverfälscht und werden als Vergleichsdaten für die weiteren Messung herangezogen. Sie bilden zudem die Datengrundlage für die Anfertigung von Hilfsmitteln (z.B. Einlagen). Erst im weiteren Verlauf der Laufbandanalyse werden verschiedene Laufschuhe benutzt, da diese nicht nur Fehlstellungen beseitigen können, sondern auch verursachen können (3). Aus diesem Grunde sollten alte Laufschuhe nicht sofort entsorgt werden, sondern zur Laufbandanalyse mitgenommen werden. Oft lassen sich Pronationsfehlstellungen schon an entsprechend ungleichmäßig abgelaufenen Schuhsohlen erkennen.
Die funktionale Betrachtung liefert außerdem Erkenntnisse über den individuellen Laufstil und dient so der Trainingslehre als Instrument zur Ökonomisierung von Laufbewegungen. In der Sportwissenschaft wird die Laufbandanalyse auch zur Betrachtung schneller Bewegungsabläufe genutzt.
Quellen:
(1) Wiek, M.; Verdonck, A.: Standardisierte Ganganalysen an Patienten mit operativ versorgter Achillessehnenruptur: Meßmethodik, Ergebnisse und Vergleich mit einem gesundem Normenkollektiv. (http://www.sportklinik-hellersen.de/Ergebnisse/3_2.htm)
(2) http://www.richtigfit.de/rf/lexikon/p/pronation-supination/
(3) http://www.haarlammert.de/html/laufbandanalyse.html