Laufschuhe für Frauen (Fortsetzung)
Was unterscheidet den Frauenlaufschuh von einem Herrenlaufschuh? Dieser Frage haben sich die Forscher der Bio-Mechanik Abteilung der Sportmedizin der Universität Tübingen gewidmet und sie haben dabei erstaunliches zutage gefördert. Gemeinsam mit dem Sportschuhhersteller Nike haben die Forscher und Forscherinnen unter der Leitung von Professor Thomas Horstmann, der lange Jahre Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart war, beinahe 2000 Frauen- und Männerfüße untersucht und die Ergebnisse ihrer Studie nun der Öffentlichkeit präsentiert. Im Mittelpunkt der Betrachtung standen dabei die Themen orthopädische Diagnostik, die unterschiedlichen Beweglichkeitsmöglichkeiten von Frauen und Männern und die verschiedenen Trainingsansätze.
Männer und Frauen: Ein Fuß-Vergleich
Frauen sind generell beweglicher als Männer, ihre Bänder sind dehnbarer, ihr Becken wird beim Laufen stärker geknickt und die meisten Frauen verfügen zudem über eine sehr bewegliche Kniescheibe. Außerdem zeigte die Studie auf, dass Frauen in der Regel früher und meist nicht so lange trainieren wie Männer. Doch je jünger jemand mit dem Laufen beginnt, desto höher die Verletzungsgefahr.
Der Frauenfuß nun zeichnet sich gegenüber dem Männerfuß dadurch aus, dass er viel schmaler und flacher ist. Auch die Ferse und der Mittelfuß sind schlanker und Frauen haben längere Zehen als Männer. Bei den Proportionen allerdings finden sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Kleinere Füße sind sowohl bei Männer als auch bei Frauen eher gedrungen und volumenreich, während größere Füße schlank und schmal sind.
Den Forschern fiel zudem auf, dass Frauen häufiger als Männer X-Beine haben und dass sie Füße, Knie und Hüften beim Laufen stärker beugen als ihre männlichen Mitläufer.
Neue Laufschuhe für Frauen von Nike
Die Ergebnisse der Tübinger Studie sind weltweit die ersten, die sich explizit mit diesem Thema befasst haben. Zusammen mit Nike wurde versucht die Erkenntnisse in neuen Frauenlaufschuhen umzusetzen. So gehörte zu den wichtigsten Erkenntnissen, dass Frauen, aufgrund ihrer höheren Beweglichkeit, einen flexibleren und leichteren Laufschuh benötigen als Männer. In den neuen Modellen von Nike, Air Zoom Elite III, Zoom Percept und Vomero wird das durch zusätzliche Kerben im Vorderfuß und eine dünnere Zwischensohle erreicht. Zudem wurde die Dämpfung des Schuhs reduziert, da Frauen durch die stärkere Beugung der Gelenke eine höhere Eigendämpfung entwickeln als Männer. Das sorgt dafür, dass weniger Material benötigt und der Laufschuh somit leichter wird. Größere Stabilität wird durch einen Mittelfußstrap und einen Haltebügel erreicht und ein besonderer Leisten mit einem schlankeren Mittelfuß und einer Fersenkappe, sorgt dafür, dass sich der Schuh dem weiblichen Fuß besser anpasst. Ein besonders anpassungsfähiges Obermaterial optimiert außerdem die Passform vor allem im Bereich des Ballens.
Die Frauenlaufschuhforschung steckt noch in den Kinderschuhen, aber erste Erkenntnisse sind gewonnen worden und in Zukunft, so der Forscher Stefan Grau, der an der Studie maßgeblich beteiligt war, sollen "Flexibilität, Passform und Stabilität" weiter verbessert werden. Gerade auch was besonders große oder kleine Füße betrifft bestehe noch Handlungsbedarf, so Grau.
Frauenfüße sind anders als Männerfüße und zunehmend werden auch die Sportschuhhersteller die unterschiedlichen Bedürfnisse wahrnehmen und die neugewonnen Erkenntnisse der Tübinger Sportmediziner umsetzen. Der erste Schritt ist bereits getan.