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12.10.2012 von

Wadenschmerzen

Wadenschmerzen beim Laufen sind selten harmlos

Wadenschmerzen

Nicht immer liegt die Ursache für Wadenschmerzen allein im Trainingsverhalten oder zu hoher Belastungsintensität. Im schlimmsten Fall liegt den Beschwerden eine ernsthafte Erkrankung zugrunde. Deshalb ist es bei andauernden Schmerzen in der Wade, sei es während oder nach der Belastung, immer ratsam einen Arzt aufzusuchen.

Wadenkrämpfe

Wer intensiv trainiert, wird sie sicherlich kennen: krampfartige Wadenschmerzen, die wie aus dem Nichts auftauchen, und für kurze Zeit jede Bewegung beinahe unmöglich werden lassen. Treten diese Krämpfe häufiger und vor allem direkt während der Belastung auf, sollten Sie zuallererst Ihr Trainingsverhalten kritisch unter die Lupe nehmen.

Im ersten Schritt schalten Sie am besten einen Gang herunter, überprüfen Ihr Aufwärmprogramm und legen in regelmäßigen Abständen Laufpausen ein. Diese lassen sich äußerst sinnvoll für Kräftigungs- oder Ausgleichsübungen nutzen.

Darüber, ob das Dehnen der Wadenmuskulatur vor einem längeren Lauf sinnvoll ist oder nicht, gehen die Meinungen, selbst unter den Experten, weit auseinander. Hier sollte jeder Sportler am besten seiner eigenen Philosophie folgen. Unbestritten allerdings ist die allgemein positive Wirkung eines sanften Dehnens nach dem Lauf.

Sobald keine krampfartigen Wadenschmerzen mehr auftreten, können Sie Ihr Trainingspensum wieder steigern, ohne jedoch die Kräftigungsübungen völlig zu vernachlässigen.

Ganz wichtig ist auch angemessene Kleidung. Dieser Aspekt wird von zahlreichen Läufern ganz einfach ignoriert. Auch wenn Ihnen natürlich beim Laufen warm wird, sollten Sie trotzdem, sobald es draußen kühler wird, die langen Hosen aus dem Schrank holen und vor allem im Winter gut eingepackt laufen.

Joggerin trinkt beim Sport

Wadenkrämpfe können durchaus auch ein Zeichen von Mineralien-Mangel sein. Überprüfen Sie deshalb bitte Ihr Trinkverhalten. Flüssigkeits- und damit auch Mineralienverluste durch das Schwitzen müssen unmittelbar ausgeglichen werden. Es empfiehlt sich, bereits vor dem Training moderat zu trinken und auch während der Aktivität aller 20 bis 30 Minuten bis zu einem Viertelliter Saftschorle, Früchtetee oder stilles Mineralwasser "nachzufüllen".

Was aber tun, wenn der Krampf da ist? Bleiben Sie stehen und versuchen Sie die Wade vorsichtig zu dehnen, abwechselnd über den Fuß zu lockern und leicht zu massieren. Sobald die Wadenschmerzen nachlassen, gehen Sie langsam ein paar Schritte und trinken ausreichend. Versuchen Sie nach einigen Minuten mit sich langsam steigerndem Tempo wieder loszulaufen. Treten die Beschwerden jedoch wieder auf, sollten Sie darüber nachdenken, den aktuellen Lauf lieber abzubrechen.

Wadenschmerzen durch Muskelverletzungen

Zu den typischen Muskelverletzungen bei Läufern zählen Muskelfaserrisse in der Wade. Sie äußern sich durch einen unvermittelt auftretenden, scharfen Schmerz. Wenige Sekunden später zieht sich die Wade dann krampfartig zusammen. Im weiteren Verlauf bildet sich ein Bluterguss, der äußerlich nicht unbedingt sichtbar ist. Der Unterschenkel schwillt an.

Die gleichen Symptome können jedoch auch auf eine Muskelzerrung hindeuten. Obwohl kurz nach einem Faserriss oft eine gut tastbare Delle in der Wade entsteht, überdeckt das sich entwickelnde Hämatom dieses Indiz relativ rasch - Zerrung und Faserriss sind kaum noch zu unterscheiden.

Bei akut auftretenden Wadenschmerzen ist der Lauf sofort abzubrechen. Auch Dehnen ist streng untersagt! Meist liegt die Ursache für derartige Verletzungen in einer Überbeanspruchung der Muskulatur oder es einfach zu wenig Augenmerk auf eine ordentliche Erwärmung gelegt. Bei nicht vollständig ausgeheilten Muskelverletzungen kann es leicht zum Rückfall kommen. Deshalb ist eine ausreichende Sportpause oberstes Gebot.

Wadenschmerzen durch Supination

Bei einer Supination handelt es sich, ganz vereinfacht ausgedrückt, um einen fehlerhaften Laufstil. Hierbei wird während der Stützphase der äußere "Fußrand" ganz besonders stark belastet und der Fuß ungleichmäßig abgerollt.

Neben Beschwerden in den Füßen und in den Knien kommt es hierbei häufig eben auch zu Problemen in den Unterschenkeln und diffusen Wadenschmerzen. Nach einer Abklärung der Ursache durch eine Laufbandanalyse o.ä. sollte der betroffene Sportler dringend an seinem Laufstil arbeiten und sich bezüglich der Laufschuhe von einem Experten beraten lassen.

Chronische Wadenschmerzen

Kennen Sie folgende Beschwerden? Während des Lauftrainings beginnen langsam ansteigende, krampfartige Wadenschmerzen. Wahrscheinlich denken Sie an einen Wadfenkrampf. Eine kurze Pause, etwas Dehnung und Sie können problemlos weiterlaufen. Im Laufe der Zeit klappt diese Strategie jedoch nicht mehr. Die Wadenschmerzen werden stärker und verschwinden erst nach längerer Zeit wieder. Vielleicht wird zusätzlich auch noch der Fuß taub. Sie legen eine mehrwöchige Trainingspause ein, beginnen wieder mit dem Laufen und alles beginnt von vorn.

Was ist passiert? Es handelt sich höchstwahrscheinlich um ein anatomisches Problem - die Muskeln haben zu wenig Platz. Bei Belastung schwillt die Muskulatur an, kann sich nicht ausreichend ausdehnen, es kommt zu Durchblutungsstörungen und schließlich zu Wadenschmerzen, die irgendwann in den gesamten Unterschenkel und den Fuß ausstrahlen.

Das Logensyndrom wird meist über eine sogenannte Verdachtsdiagnose und nachfolgende, umfangreiche Untersuchungen ermittelt. Sollten Sie diesbezüglich einen Verdacht hegen, suchen Sie am besten einen Sportarzt auf und schildern die Beschwerden ganz genau. Über Druckmessungen innerhalb der Muskulatur (ohne und mit Belastung) lässt sich eine recht sichere Diagnose stellen.

Betroffene Sportler kommen um eine Operation leider nicht herum. Die gute Nachricht: Heue erfolgt der Eingriff ausschließlich über die sogenannte "Schlüssellochmethode", bei der lediglich kleinste Schnitte notwendig sind. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist nach der OP notwendig. Jedoch kann bereits vier Wochen nach dem Eingriff mit einem leichten Training begonnen werden. Nach etwa sechs Wochen ist der volle Einstieg wieder möglich. Die meisten Patienten haben später überhaupt keine Beschwerden mehr und können ohne Probleme auch lange Distanzen laufen.

Neben erhöhtem Gewebedruck kann auch eine nicht ausreichende Blutversorgung der Beine, verusacht durch arterielle und venöse Erkrankungen der Blutgefäße, Grund für chronische Wadenschmerzen sein.

Auch das Auftreten von Thrombophlebitis, bei der sich die oberflächlichen Hautvenen entzündet haben, kommt als Ursache für Schmerzen in den Waden in Betracht.

Weitere Möglichkeiten sind Funktionsstörungen, die dazu häufig Krampfadern, eine Schwellneigung und ein Schweregefühl auslösen können, sowie Irritationen der Nervenwurzeln, welche von degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule und/oder der Bandscheiben verursacht werden.

Bei andauernden oder ständig wiederkehrenden Schmerzen in der Wade sollte eine Untersuchung der Blutgefäße, die das Bein versorgen, vorgenommen werden.

Eher seltene Auslöser für Wadenschmerzen sind:

  • Mono- und Polyneuropathien
  • Erbkrankheiten wie die McArdle Krankheit 
  • Infektionskrankheiten wie Borreliose, die Bornholmer Krankheit oder Leptospirose
  • Elektrolystsörungen auf Grund eines Mangels an Magnesium, Kalium oder Natrium 

Chronischen Wadenschmerzen vorbeugen

Auf Grund der unterschiedlichen Auslöser von Wadenschmerzen gibt es kein Patentrezept, wie man diesen vorbeugen kann. Jeweils unter Berücksichtigung der persönlichen und individuellen Risikofaktoren kann dennoch einiges getan werden.

Jogger dehnt sich

Arterielle Erkrankungen werden durch ungesunde Laster wie Rauchen begünstigt. Wer auf Zigaretten & Co. verzichtet, verringert so das Riskio. Hyperto nie (Bluthochdruck) gehört permanent behandelt. Auch Stoffwechselstörungen wie erhöhte Blutfettwerte oder eine Diabetes mellitus sollten im Auge behalten werden. Durch die Umstellung der Nahrung können die Störungen normalisiert werden. Eventuell müssen diese auch medikamentös behandelt werden.

Wichtig ist es auch, Übergewicht zu vermeiden oder zu reduzieren. Sportliche Betätigung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil, seine Gesundheit zu pflegen - nicht nur bei überflüssigen Pfunden. Außerdem kann Sport der Bewältigung von Stress dienen, ein weiterer Faktor, der negativen Einfluss hat.

Venösen Erkrankungen treten Sie durch regelmäßige Bewegung und ausreichend trinken. Achten Sie außerdem darauf, nicht langandauernd zu sitzen und zu stehen. Auch Venengymnastik oder Venenwalking kann helfen.

Fotos: (1) (c) Maridav | Fotolia.com, (2) (c)Chepko Danil | Fotolia.com, (3) (c) Kzenon | Fotolia.com

 

Fazit

  • Bei häufiger auftretenden Wadenschmerzen sollten die Ursachen von einem Arzt abgeklärt werden
  • Verletzungen brauchen ausreichend Zeit, um gründlich auszuheilen
  • Achten Sie auf zweckmäßige Kleidung und ausreichendes Trinken
  • Dem Lauftraining sollte immer eine gründliche Erwärmung vorangehen
  • Nach Pausen ist eine langsame Steigerung der Trainingsbelastung wichtig
 
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Kommentare

Schmerzen und Laufschuhe
Liebe Leute der Redaktion, Ihr schreibt in dem Artikel, dass Schmerzen durch falsche Laufschuhe und falscher Laufstil entstehen können. Dass die Läufer mit Problemen eine Laufanalyse machen sollen und dass sie sich beim Fachmann beraten lassen sollen. Was ich aber dann absolut nicht verstehe ist, warum Ihr dann bei den Laufschuhen Werbung für Sport Scheck und Runners Point macht. Gerade in den genannten Läden ist es doch so, dass fast nur Aushilfen dort arbeiten. Lieber die Läden der LEX-Laufexperten empfehlen. Da steht meist der Inhaber selbst im Laden. Gruß Tom
Tom
25 Dezember 2012 - 21:56

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