1 Kommentare
10.04.2015 von Jennifer Albrecht

42 195 Meter

Rezension: „Marathon. Die magische Distanz.“

42 195 Meter

Ihr kennt das sicher: Auch als langjährige Läufer erwischt uns hin und wieder der Jogging-Blues. Er zeichnet sich aus durch fehlende Motivation gepaart mit Langweile. Keine Strecke begeistert uns mehr, denn sie sind alle bekannt. Das Laufen ist Teil des alltäglichen Trotts geworden. Sich da wieder herauszufinden, ist schwierig. Da helfen keine motivierenden Pinterest-Boards, keine Laufzeitschriften und auch die neuen Laufschuhe versauern unbenutzt im Schrank. Was also tun?

Nun, manchmal hilft es, stattdessen die Füße hochzulegen und sich ein gutes Buch zu genehmigen.

Als uns Orkan Niklas letzte Woche einen Strich durch die Laufpläne machte – bei Hagel war uns tatsächlich nicht nach frischer Luft – haben wir uns nämlich auf das Sofa verzogen und zumindest vom Laufen geträumt. Mit „Marathon. Die magische Distanz.“ konnten wir uns das Schietwetter wirklich gut vertreiben.

Das Buch

Als wir das Paket mit dem Buch öffneten, waren wir kurz geblendet. Der Einband erstrahlt nämlich in auffälligem Neonpink mit gelber Schrift – eine Wahl, die uns anfangs etwas irritierte. Ansonsten ist das Cover relativ schlicht gehalten: Ein typisches Marathonbild mit jeder Menge laufender Beine dazu Titel, Herausgeber und Verlag. „42195 Meter. Marathon. Die magische Distanz. Herausgegeben von Werner Irro. Ellert & Richter Verlag.“ Soweit so gut, dachten wir. Aber was steckt da jetzt eigentlich drin? Der Klappentext verrät uns:

„Laufen und Literatur haben viel gemeinsam: „Das meiste über mich selbst und über das Schreiben habe ich durch mein tägliches Lauftraining gelernt“, stellt Haruki Murakami fest. Wie schreiben Schriftsteller und Läufer über das Laufen und insbesondere über die Königsdisziplin Marathon? Romanciers, Reporter, Läufer haben faszinierende Kapitel über das Laufen verfasst – hier sind sie. Nach der Lektüre möchte man sofort die Laufschuhe anziehen.“

Na, wenn das kein Versprechen ist.

Der Inhalt

Das Buch ist eine Textsammlung bestehend aus 17 Texten eingeordnet in drei Kapitel: Meister Marathon, Fartlek/Fahrtspiel und Extreme Läufe. Über den Texten prangen bekannte Namen wie Anna Hahner, Emil Zátopek, Abebe Bikila und Haruki Murakami. Letzterer ist vor allem durch seine literarischen Ergüsse wie „Kafka am Strand“ bekannt, aber auch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ ist von ihm. Und genau aus diesem Werk gibt es im Buch einen Auszug zu lesen, in dem er von seinem ersten Marathon berichtet. Aber auch der Herausgeber, Werner Irro, hat neben einem Einleitungstext noch einen Buchauszug aus „Geschafft! Der erste Marathon“ beigesteuert. Neben niedergeschriebenen Lauferlebnissen gibt es im Buch jedoch auch poetische und fantasievolle Texte.

Das Versprechen des Klappentextes ist übrigens nicht zu hoch gegriffen. Beim Lesen der 224 Seiten kribbelte es uns spätestens ab dem dritten Text in den Füßen. Wir wollten rein in die Laufschuhe und raus auf die Straße. Nur der Blick aus dem Fenster hielt uns ab. Draußen prasselte der nächste Hagelschauer nieder. Selbst als hartgesottene Hamburger war uns das etwas zu viel. Also haben wir doch wieder die Nase in die Seiten gesteckt.

Unsere Meinung

Nachdem wir den ersten Schreck beim Anblick des Einbandes überwunden hatten und uns dem Inhalt zuwandten, waren wir gebannt. Die Texte sind ehrlich und sie sind inspirierend. Wer nach dem Auslesen von „Marathon. Die magische Distanz.“ immer noch im Jogging-Blues gefangen ist, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen (so traurig es klingt).

Die harten Fakten

„42 195 Meter. Marathon. Die magische Distanz.“
erschienen 2014 im Ellert & Richter Verlag
herausgegeben von Werner Irro
ISBN 978-3-8319-0580-5
224 Seiten
14,95 €

Noch keine Bewertungen vorhanden
Weitere Artikel


Kommentare

Array

Richtig!
Ich habe mir das Buch auf der Messe beim Hamburg-Marathon gekauft, und es begeistert gelesen. Wer damit nicht aus dem Laufloch rauskomt, dem ist wirklich nicht zu helfen ;-)
Heideretter
18 Mai 2015 - 14:52

Kommentar abgeben

CAPTCHA
Bitte geben Sie die angezeigten Zeichen in das Feld unten ein. (Groß- und Kleinschreibung wird nicht beachtet)
 

1 Kommentare