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07.08.2014 von Silvana Arndt

Musik macht lahme Läufer munter

Studie weist Einfluss von Musik auf vegetatives Ner vensystem nach

Musik macht lahme Läufer munter

Musik ist unser ständiger Begleiter – ob nun morgens im Radio, unterwegs zur Arbeit im Auto, beim Einkaufen im Supermarkt oder auch abends bei einem schönen Entspannungsbad. Viele Läufer hören auch beim Training Musik und glauben, dass sie dadurch eine bessere Leistung erzielen.

Dieser Vermutung sind nun brasilianische Forscher nachgegangen. Am 15. Juli präsentierten sie ihre Ergebnisse im „Journal of Strength and Conditioning Research“. Und die Theorie stimmt: Musik steigert nicht nur die Motivation enorm, sondern hilft uns auch in der Regenerationsphase. Doch woher kommt dieser Effekt? Und wann stößt er an seine Grenzen?

Musik beeinflusst das vegetative Nervensystem

Während der Studie, bei der die guttrainierten Probanden 5km auf Zeit liefen und dabei unterschiedliche Musikarten zu verschiedenen Zeitpunkten hörten, untersuchten die Forscher Hirnaktivität und Pulsveränderungen vor dem Lauf, Anstrengung und Zeit währenddessen sowie Stimmung und Puls danach. Dabei zeigte sich, dass Musik Einfluss auf das vegetative Nervensystem nimmt.

So führt Musik vor dem Laufen zu einer Reduzierung der Vagotonie. Dies ist ein Zustand, in dem der Parasympathikus den Sympathikus dominiert und der Körper somit eher auf Ruhe eingestellt ist. Beim Hören von Musik wurde dieser Ruhemodus durch entstehende Begeisterung bei den Testpersonen verringert, wodurch sie besser auf den Lauf und seine Anstrengungen vorbereitet waren.

Wenn nach dem Lauf langsame Musik gehört wurde, verstärkte sich die Vagotonie beim Läufer wieder. Die inneren Körpersysteme und der Puls wurden durch den musikalischen Einfluss rascher wieder in den Normalzustand versetzt. Bestimmte Musik hat somit auch Einfluss auf die Regenerationsphase.

Musik beschleunigt Läufer

Auch während des Laufens ergeben sich aus dem Musikkonsum Vorteile. Die Studie ergab, dass die ersten zwei von 12,5 gelaufenen Runden mit Musik im Ohr schneller absolviert wurden als ohne. Statistisch gesehen scheint die Verbesserung zwar nur marginal, allerdings sehen Läufer in den wenigen Sekunden Unterschied schon einen neuen Erfolg.

Wurden die 5 Kilometer ohne Musik durchschnittlich in 27:20 Minuten zurückgelegt, liefen die Testpersonen die Strecke bereits eine knappe halbe Minute schneller (26:45 Minuten), wenn sie zuvor Musik hörten. Die besten Ergebnisse erzielten die Läufer, wenn während des Trainings Musik lief – mit einem schnelleren Takt brauchten sie knapp über 26 Minuten, bei einem langsameren lag die Durchschnittszeit sogar bei nur 26:00 Minuten.

Welche Musik ist die richtige?

Meist wird gesagt, dass schnelle Laufmusik bei ca. 160 bpm (beats per minute) liegt. Zählen die Songs nur etwa 140 bpm, eignen sie sich für lockere Trainingseinheiten. Eher ruhige Stücke haben etwa 80 bis 110 bpm. Welche Geschwindigkeit für den individuellen Läufer nun aber am förderlichsten ist, muss jeder selbst herausfinden.

Dafür ist es vorteilhaft, seine persönliche Schrittfrequenz zu wissen. Zunächst sollte im üblichen Tempo gejoggt werden. Um nicht Gefahr zu laufen, sich zu verzählen, reicht es aus, wenn für 15 Sekunden mitgezählt wird, wie oft der rechte Fuß auftritt. Diese Zahl muss im Anschluss nur noch mit 8 multipliziert werden und schon ist die durchschnittliche Schrittfrequenz errechnet.

Manchen Läufern ist es egal, ob ihre Schrittzahl mit den beats per minute übereinstimmt, für andere ist genau das von größter Bedeutung. Hier muss sich einfach ausprobiert werden. Im Internet gibt es zahlreiche Auflistungen von passenden bpm-Songs, wie beispielsweise auf musik-zum-joggen.de oder bei lauftipps.ch.

Musik beim Laufen birgt auch Gefahren

Musik ist allerdings kein grenzenloses Doping. Denn auch wenn sie uns ablenkt, motiviert und antreibt, so kann sie die Signale des Körpers nicht restlos ausblenden. Auch die Studie bestätigt es: Je höher die Anstrengung, desto weniger kann das Training positiv beeinflusst werden.

In der Zeit, in der wir uns der wahren Intensität des Trainings aufgrund der Musik allerdings noch nicht bewusst sind, kann es ebenfalls schon gefährlich werden. Durch die verzögerte Weiterleitung eventueller Warnsignale kann es zu einer Überlastung kommen. Die Läufer merken dann noch nicht, wie erschöpft sie eigentlich bereits sind.

Und auch in Bezug auf die Außenwelt ist Musik bedenklich. Durch die Kopfhörer können Fahrzeuge im Straßenverkehr vielleicht erst verspätet oder gar nicht wahrgenommen werden und es kann zu Unfällen kommen. Darum sollte am besten in der Natur, fernab vom Straßenverkehr gelaufen werden. Hier kann die Musik dann nach Herzenslust aufgedreht werden – und wenn die Puste das zulässt, kann auch hemmungslos beim Lieblingssong mitgesungen werden.

 

Quellen: Runnersworld | Lauftipps.ch

Foto:  (c) Martin Novak / istockphoto.com; RichVintage | istockphoto.com

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Kommentare

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Ganz schön clever
Wow! Müssen ja wirklich Genies gewesen sein diese Wissenschaftler
simss
26 Mai 2015 - 19:10

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