Der Ironman Hawaii 2011: Zum 33. Mal findet am 08. Oktober (09. Oktober in Deutschland) das Ausdauersportereignis der Sonderklasse statt. Wer in der Ford Ironman World Championship vorne mitmischt, hat es als Triathlet geschafft. Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Teilnehmer, darunter 165 Deutsche, stellen sich der insgesamt 226 Kilometer langen Wettkampfstrecke unter dem Veranstaltungsmotto „Anything is possible“.
Seit der Ironman Hawaii 1978 das erste Mal stattfand, hat sich einiges verändert. Nicht nur die Teilnehmerzahl stieg von anfangs 15 auf inzwischen fast 1800 Athleten, auch das Niveau der Etappe wurde hochgeschraubt. Von dem relativ ruhigen Küstenabschnitt Waikiki wurde die Veranstaltung 1981 nach Kona auf Big Island, der größten Insel Hawaiis, verlegt. Die Strecke zeichnet sich vor allem durch Lavagestein aus und gilt als älteste und härteste der Welt.









Die Qualifikation zum Ironman Hawaii
Auch die Qualifikation läuft inzwischen anders – die Sportler, die entweder als Profis oder in ihrer Altersgruppe starten, konnten sich bisher mit guten Zeiten in ihrer Kategorie bei einem der weltweit über 20 Mal stattfindenden Ironman-Wettbewerbe qualifizieren. Die Profis müssen sich nun allerdings in mehreren Ironman-Läufen Punkte erkämpfen und werden qualifiziert, wenn sie im Punktesystem unter den besten 50 Profi-Männern/30 Profi-Frauen sind. Außerdem ist die Top Ten des letztjährigen Ironman Hawaii für das nächste Jahr qualifiziert, sofern sie im folgenden Jahr zumindest einen Ironman-Wettbewerb finishen.
Die Wettkampfstrecke und deren Schwierigkeiten
Die Triathleten starten morgens um sieben in Kailua-Kona zu einer 3,86 Kilometer langen Schwimmstrecke auf das offene Meer und zurück. Durch eine Wassertemperatur von um die 24° Grad Celsius sind Neopren-Anzüge verboten. Für die Teilnehmer folgt direkt im Anschluss an das Schwimmen die 180 Kilometer auf dem Rad. Der erste Wendepunkt auf dieser Strecke liegt südlich des Starts, dann geht es den Queen K Highway nordwärts bis zum Wendepunkt Hawi und wieder zurück nach Kona. Hierbei wird ein Höhenunterschied von 1500 Metern überwunden, wobei Windschattenfahren für alle Teilnehmer strengstens untersagt ist. 10:30 Stunden nach Rennstart muss jeder Teilnehmer diese Etappe beendet haben, um für die nächste zugelassen zu sein. Diese ist eine Marathonstrecke von 42,185 Kilometern, welche zum Teil auch über die Radstrecke führt. Die Läufer müssen zunächst zum Wendepunkt Keaouho, dann zum National Energy Lab, einer Forschungsstation, und schließlich zurück Richtung Süden. Der Zieleinlauf findet auf dem Awi Drive in Kona statt. Alle Teilnehmer müssen bis Mitternacht, also 17 Stunden nach dem offiziellen Rennstart, die Ziellinie passiert haben, um offiziell Finisher des Ironman Hawaii zu sein.
>
Aber nicht die Kilometer allein sind die Extreme dieses Wettbewerbs, auch Landschaft und Wetter verlangen den Sportlern ihr Äußerstes ab. Die Rad- und Laufabschnitte des Ironman Wettkampfs führen durch die schwarzen Lavagesteinsfelder Big Islands, wo ihnen nicht nur der anspruchsvolle Untergrund zu schaffen macht. Die sogenannten „Mumuku“-Winde in diesem Gebiet können bis zu 100km/h schnell sein und dürften es damit jedem Teilnehmer erschweren, sich überhaupt auf dem Rad zu halten. Hinzu kommen Temperaturen zwischen 28 Grad an der Küste und bis zu 38 Grad in den Lavafeldern und eine Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent.
Überraschend sind diese Wetterbedingungen nicht, bedenkt man, dass auf Big Island drei der fünf Klimazonen der Erde vertreten sind. Die Insel besteht zudem komplett aus fünf Vulkanen und aufgrund der immer noch fließenden Lavaströme vergrößert sich ihre Fläche auch heute noch. Die im Pazifik befindliche hawaiianische Inselkette ist die am weitesten abgelegene der Welt. Dennoch wurde sie 1959 zum 50. Bundesstaat der USA und wird seither auch „Aloha-State“ genannt.
Bisherige Sieger und Rekordzeiten

Bisher ungeschlagene Rekordhalter bei den Männern ist seit 1996 der Belgier Luc Van Lierde mit einer Zeit von 8:04:08 Stunden auf dieser wohl schwierigsten Strecke der Welt. Zum Vergleich: Der aktuelle Weltrekord auf der Langstrecke- aufgestellt von Andreas Raelter, ebenfalls Ironman Hawaii Teilnehmer - liegt bei 7:41:33 Stunden.
Die meisten Siege können mit sechs gewonnenen Ironman-Wettbewerben die US-Amerikaner Mark Allen und Dave Scott für sich verbuchen. Auf genauso viele Siege kommt als einzige Frau die Schweizerin Natascha Badmann. Die bisherige Bestzeit der Frauen erreichte 2009 die Britin Chrissie Wellington, die nach 8:54:02 Stunden ins Ziel kam.
Erster deutscher Gewinner des Ironman Hawaii war 1997 Thomas Hellriegel. Er gewann vor Jürgen Zäck und Lothar Leder – es war das erste Jahr, in dem drei nicht US-amerikanische Sportler derselben Nation auf dem Treppchen standen. Weitere Deutsche, die den Ironman Hawaii gewinnen konnten, sind Norman Stadler (2004 & 2006) sowie Faris Al-Sultan (2005). Eine deutsche Frau hat es noch nie bis ganz auf das oberste Treppchen geschafft. Nina Kraft schaffte es 2002 Platz 2 sowie 2001 und 2003 auf den dritten Platz, ebenso wie Sandra Wallenhorst 2008. Als erstes Ehepaar schafften 2003 Peter Reid und Lori Bowden jeweils den ersten Platz.
Update: Die Ergebnisse 2011
In einem phänomenalen Triumph konnte der Australier Craig Alexander den Ironman Hawaii 2011 in einer neuen Rekordzeit von 8:03:56 h vor seinem Landsmann Pete Jacobs und dem deutschen Andreas Raelert gewinnen. Damit gewinnt Alexander bereits zum dritten Mal den härtesten Ironman der Welt. Nach der ersten Disziplin, dem Schwimmen über die 3,86 km, lag immer noch eine große Favoritengruppe zusammen. Bei der Wende in Hawi hatte sich das Feld bereits auf eine zehnköpfige Spitzengruppe verkleinert. Die finale Entscheidung viel schließlich beim Laufen, wo Alexander seine ganze Klasse zeigte. Der deutsche Andreas Raelert erreicht das Ziel nach 8:11:07 und steht nach seinem zweiten Platz 2010 und dem dritten Platz 2009, erneut auf dem Treppchen - bleibt aber ein wenig hinter den Erwartungen zurück, nachdem er dieses Jahr bei der Challenge Roth die Weltbestzeit von 07:41:33 aufstellte.
Weitere Platzierungen in den TopTen mit deutscher Beteiligung waren Timo Bracht (Platz 5 mit 8:20:12), Andi Boecherer (Platz 8 mit 8:23:19) und Faris Al-Sultan (Platz 10 mit 8:27:18).
Faris Al Sultan, Sieger auf Hawaii 2005 und Dritter 2004 und 2006, zu seinem 10ten (und etwas enttäuschten) Platz: „Es war eines meiner schlimmsten Rennen überhaupt. Ich hatte keine schlechten Beine, ich war auch relativ schnell auf dem Rad. Aber ich habe etwas erlebt, was ich noch nie hatte: Angst vor den Schmerzen! Ich bin einfach nicht aus meiner Komfortzone rausgekommen. Insofern habe ich heute eine schlechte Leistung gebracht.“
Bei den Frauen konnte die englische Favoritin Chrissie Wellington mit 8:55:08 bereits zum vierten Mal den Ironman Hawaii gewinnen. Wellington lag damit vor der Australierin und Gewinnerin 2010 Mirinda Carfrae (8:57:57) und ihrer Landsfrau Leanda Cave (9:03:29) in Ziel. Die beste Deutsche war Sonja Tajsich auf Platz 7 mit einer Zeit von 9:15:17.
TopTen Platzierungen Männer 2011
1. Alexander, Craig (AUS) (Schwimmen: 51:56 / Radfahren: 4:24:05 / Laufen: 2:44:02) 8:03:56
2. Jacobs, Pete (AUS) (51:38 /4:31:02 /2:42:29) 8:09:11
3. Raelert, Andreas (GER) 51:58/ 4:26:52/ 2:47:47) 8:11:07
4. Bockel, Dirk (LUX) (51:44 /4:24:17/ 2:53:03) 8:12:58
5. Bracht, Timo (GER) (53:37 / 4:35:07 / 2:47:25) 8:20:12
6. Aigroz, Mike (SUI) (52:31 / 4:30:43 / 2:54:07) 8:21:07
7. Tissink, Raynard (RSA) (52:08 /4:28:40 / 2:56:36) 8:22:15
8. Boecherer, Andi (GER) (51:49 / 4:25:45 / 3:01:43) 8:23:19
9. McKenzie, Luke (AUS) (51:47 / 4:24:15 / 3:05:54) 8:25:42
10. Al-Sultan, Faris (GER) (51:55 / 4:29:32 / 3:01:40) 8:27:18
TopTen Platzierungen Frauen 2011
1. Wellington, Chrissie (GBR) (1:01:03 / 4:56:53 / 2:52:41) 8:55:08
2. Carfrae, Mirinda (AUS) (57:17 /5:04:16 / 2:52:09) 8:57:57
3. Cave, Leanda (GBR) (53:54 / 4:58:41 / 3:06:36) 9:03:29
4. Joyce, Rachel (GBR) (53:56/ 4:58:56 / 3:09:54) 9:06:57
5. Steffen, Caroline (SUI) (57:15 / 4:50:26 / 3:15:17) 9:07:32
6. Thuerig, Karin (SUI) (1:12:19 /4:44:19/ 3:13:31) 9:15:00
7. Tajsich, Sonja (GER) (1:06:57 / 4:58:55 / 3:04:46) 9:15:17
8. Wurtele, Heather (CAN) (58:43 /4:59:10 /3:15:29) 9:17:56
9. Snow, Caitlin (USA) (58:47 / 5:20:57 / 2:53:50) 9:18:11
10. Berasategui, Virginia (ESP) (58:44 / 5:03:30 / 3:12:50) 9:19:52
Kommentare
Kommentar abgeben