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11.10.2012 von

Interview mit Prof. Dr. Wessinghage: Krafttraining und Stretching

So wichtig sind Krafttraining und Dehnübungen für das Lauftraining

Prof. Dr. Thomas WessinghageIn unserer neuen Interview-Serie rund um das Thema Laufen, befragen wir Prominente, Experten und „normalo“ Läufer nach Ihren Tipps und Tricks zum Laufen. Immer montags werden wir versuchen ein neues Interview zu veröffentlichen. Zum Start konnten wir den anerkannten Lauf-Experten, Europameister von 1982 über die 5.000m und 22-maligen Deutschen Meister Professor Dr. Thomas Wessinghage gewinnen.

Prof. Dr. Wessinghage gilt seit langem als einer der führenden Experten rund um das Thema Laufen und insbesondere im Zusammenspiel Koordination, Bewegung und Orthopädie. Als Wettklasseläufer und ausgebildeter und promovierter Orthopäde verbindet Prof. Dr. Wessinghage das theoretische Know-How mit seinen praktischen Erfahrungen. Prof. Dr. Wessinghage hat bereits eine Vielzahl von Büchern zu dem Themenfeld Lauftraining veröffentlicht. Aktuell ist Prof. Dr. Wessinghage Ärztlicher Direktor der 3 Kliniken der  Medical Park AG im Tegernseer Tal.

Joggen-Online.de: Vielen Dank für die Möglichkeit zu einem Interview Herr Prof. Dr. Wessinghage. Viele Läufer konzentrieren sich in erste Linie auf das Lauftraining, aber wie wichtig ist neben dem Laufen Krafttraining?

Prof. Dr. Wessinghage: Ganzkörpertraining ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gesunden und leistungsfähigen ganzen Körper.

Ausdauertraining ist bekanntermaßen ein optimales Training für Herz, Kreislauf und Stoffwechsel – aber schützt beispielsweise nicht in jedem Falle vor Rückenproblemen.  Krafttraining verbessert das muskuläre Korsett für Rücken und Extremitätengelenke, Dehnübungen steigern die Flexibilität und Koordinationstraining fügt alles zu einem harmonisch funktionierenden Ganzen zusammen.

Gerade für den Ausdauersportler kommt es darauf an, den Bewegungsapparat nicht zu vernachlässigen. Viele Fragen in Verbindung mit Überlastungsschäden Verletzungen stellen sich nur, weil wichtige Bereiche des Organismus nicht in geeigneter Form aktiviert werden.

Welche Art von Krafttraining empfehlen Sie für Läufer?

Regelmäßig ein wenig zu tun ist allemal besser, als selten Bäume auszureißen. Gerade beim Krafttraining zählt Beharrlichkeit, wenn es darum geht, die selbst gesetzten Ziele – seien sie gesundheitlich oder leistungssportlich orientiert – zu erreichen. Wichtig: einen Plan machen, wann und wie man in der kommenden Woche aktiv sein will und hinterher kurz aufschreiben, was man getan hat (oder auch nicht getan hat!). Das hilft, den Überblick zu behalten und motiviert. 3x pro Woche 30-45 min ist super, täglich 15 min nach meiner persönlichen Erfahrung besser.

Neben dem Krafttraining ist auch oftmals das Themengebiet Dehnen / Stretching ein Mysterium für viele Läufer. Was ist Ihr Tipp: Wie dehnt man sich richtig?

Dehnen/ Stretching gehört zu den bewährtesten und bei Sportlern beliebtesten Entspannungs-maßnahmen. Während einer Belastung (Training oder Wettkampf) erhöht sich die Spannung der Muskulatur und ermöglicht eine höhere Leistungsfähigkeit. Stretching hat die Funktion, die Muskelspannung nach Belastungsende wieder zu reduzieren und damit die Regeneration von Muskulatur und Sehnen zu fördern. Gleichzeitig dient die Entspannung der Muskulatur dem Schutz der Gelenke. 

Stretching gehört folglich an das Ende einer Belastung, kann allerdings auch Teil eines komplexen Aufwärmprogramms sein. Isoliert sollte Stretching nicht vor der Belastung eingesetzt werden. Beim Stretching wird die Muskelspannung langsam erhöht, bis sie unangenehm zu werden beginnt. Dehnungsübungen sollten nie Schmerzen verursachen. Die Dehnposition sollte zwischen 15 und 20 Sekunden gehalten werden. Ggf. 20 bis 30 Sekunden Pause, dann 1 bis 2 Wiederholungen

Im Einzelfall kann eine dynamische Übungsausführung sinnvoll sein:

Sanftes, langsames Auf- und Abbewegen beim Dehnen kann sinnvoll sein, wenn es als angenehm empfunden wird (keine heftigen Bewegungen). Dauer 20-30 Sekunden. 

Empfehlen Sie einige Kraft- und Dehnübungen besonders?

Die Übungsauswahl ist abhängig vom individuellen Bedarf. Jeder Sportler sollte seine Stärken und Schwächen kennen und die Übungen sowie die Konsequenz bei deren Durchführung entsprechend wählen.

Als Arzt und Orthopäde werden Sie sicherlich auch mit vielen Sportverletzungen zu tun haben. Welche Verletzungen treten bei Läufern am häufigsten auf?

Überlastungserscheinungen des Bewegungsapparates, meist ausgelöst durch

  • muskuläre Defizite (zu schwache und/ oder verkürzte Muskeln),
  • einseitiges Training,
  • zu großen Ehrgeiz (für die eigenen Fähigkeiten)
  • falsche Trainingsplanung

Was sind Ihre Tipps als Arzt und aktiver Läufer um diesen Verletzungen vorzubeugen?

  • muskulären Defiziten vorbeugen oder sie beseitigen (Krafttraining und/ oder Stretching),
  • variables Training (Alternativsportarten wie Radfahren, Schwimmen, Aqua Jogging, Nordic Walking etc.),
  • den Ehrgeiz drosseln (und die Ziele den eigenen Fähigkeiten anpassen)
  • eine sinnvolle Trainingsplanung vornehmen (s. Punkt 1-3)

Wir bedanken uns für das freundliche und sehr informative Interview.

Foto: © Wessinghage

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Kommentare

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Gesunde Wahrheiten
Ihre Informationen lese ich immer sehr gerne, da viel Erfahrung und Wissen drin steckt. Ich bin kein Läufer, dennoch brauche ich gesunde Beine die mich tragen und hier ist Bewegung die Bais. Einfach mal ein kleines Dankeschön. Karlheinz Grabmann
Karlheinz Grabmann
05 Juni 2016 - 12:56
Dr.
Sehr geehrter Herr Prof. Wessinghage, ich moechte gerne ihre Buecher und dergl. kaufen, wohne aber hier in Costa Rica. Der FID-VBerlag liefert aber nicht nach Costa Rica. Was kann ich machen? Dr. Oskar R. Weber email: anthur6@gmail.com
Oskar Weber
08 Juni 2014 - 00:54

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