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11.10.2012 von Marcel Kollmar

Melanie Seeger

Dabei sein ist alles - oder reicht es für eine Medaille?

Mit ihren 35 Jahren gehört die am 8. Januar 1977 in Brandenburg an der Havel geborene Melanie Seeger zum alten Eisen der deutschen Leichtathletik.

Ein Grund, ans Aufhören zu denken ist ihr Alter jedoch noch nicht – vor allem, da die Leistungen der „Grand Dame des Tempogehens“ weiterhin mit denen der jüngeren Konkurrenz mithalten können und sie bis heute den Deutschen Rekord über die 3000 Meter hält.

Geboren und aufgewachsen in der DDR, in der jede olympische Disziplin gleichwertig gefördert wurde,  kam Seeger mit elf Jahren über eine Freundin zur Leichtathletik und entschied sich für das Gehen, das sie mehr faszinierte als das Laufen – obwohl das Tempogehen bei den Frauen zu jener Zeit noch gar nicht olympisch war. Heute startet sie für den SC Potsdam, wo sie unter Michael  Klabuhn trainiert, von Beruf ist die Grundschullehrerin. Die Geburt ihrer Tochter Helena veranlasste sie 2009 dazu, auf die Teilnahme bei den Weltmeisterschaften in Berlin zu verzichten; mit Ausnahme dieses Jahres ist sie seit 2001 bei allen Großereignissen über die 20-Kilometerstrecke dabei gewesen.

Bisher keine internationale Medaille für Melanie Seeger

1995 wurde Melanie Seeger mit achtzehn Deutsche Jungend-Vizemeisterin, holte damit ihre erste Medaille bei einem Großwettkampf. Die nächsten Medaillen waren 1997 bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen zwei bronzene: über 5 und 10 Kilometer Gehen. Im Jahr darauf holte die Brandenburgerin zum ersten Mal einen Titel: den der Deutschen Hallenmeisterin. Ihren dritten Platz von 1997 über 10 Kilometer bei den Deutschen Freiluftmeisterschaften konnte sie wiederholen.

Es folgten 1999 der dritte Platz bei den U23-Europameisterschaften, der Deutsche Juniorenmeistertitel und die erste Teilnahme an einem internationalen Großereignis für Erwachsene: bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in  Sevilla landete Melanie Seeger auf Platz Dreiunddreißig.

In den Jahren 2001 bis 2004 sowie 2006 bis 2008 gewann Melanie Seeger jedes Mal mindestens einen Deutschen Meistertitel in Halle oder im Freien; ihre Paradedisziplin war die 3000-Meter Strecke, über die sie 2004 auch den bis heute gültigen Deutschen Hallenrekord von 11:50,38 Minuten aufstellte. Doch auch die 20 Kilometer lief sie sehr erfolgreich: Ihre Bestleistung über diese Strecke stammt ebenfalls aus den Jahr 2004 und liegt bei 1:28,17 Stunden.

Obgleich Seeger mehrfach die IAAF Walking Challenge gewann, blieben Erfolge bei öffentlichkeitswirksamen internationalen Großereignissen bisher aus: Bei der Weltmeisterschaft 2001, als sie zum ersten Mal einen neuen Deutschen Rekord aufstellte, reichte ihre Leistung für Platz Sieben, bei den folgenden Weltmeisterschaften belegte sie in dieser Reihenfolge die Plätze acht, elf und vierzehn. 2009 in Berlin trat sie aufgrund ihrer Babypause nicht an, 2011 in Daegu musste sie nach einer zu kurzen Vorbereitungszeit für die 20 Kilometer zum ersten Mal in ihrer Karriere vor dem Ziel aufgeben.

Auch bei den Europameisterschaften, an denen Seeger teilnahm, reichte es nie für eine Medaille. Ihre bestes Ergebnis kam jedoch nahe an einen Podestplatz heran und liegt noch gar nicht so weit zurück: bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona 2010 wurde die damals 33-Jährige Vierte.

Medaillenjagd in London

Für die Olympischen Spiele in London hat Seeger bereits frühzeitig die Qualifikationsnorm erfüllt; sollte sie teilnehmen, werden es ihre dritten Spiele – und ablehnen wird sie die Chance sicherlich nicht, denn ihr größtes sportliches Ziel hat sie noch nicht erreichen können: Eine internationale Medaille.

Bei den Spielen in Athen war die damals 27-Jährige mit ihrem fünften Platz bereits nahe dran, sich dieses Ziel zu erfüllen; die Spiele von Peking 2008 jedoch endeten in einer Enttäuschung: Nachdem ihre Leistung nur zu Platz 23 führte, dachte Seeger ans Aufhören, konnte ihre eigene Enttäuschung nur schwer überwinden. Erst der vierte Platz bei der Europameisterschaft 2010 überzeugte sie endgültig davon, aktiv beim Sport zu bleiben.

Eine Chance auf den Sieg in London spricht ihr kaum jemand zu, doch das Motto der Spiele lautet schließlich „Dabei sein ist alles“, und Melanie Seegers persönliches Motto ist „Nicht aufgeben“. Vielleicht reicht es ja tatsächlich für die erste deutsche Medaille, seit das Gehen der Frauen im Jahr 2000 olympisch wurde. Favoritin auf den Sieg ist jedoch die acht Jahre jüngere Russin Olga Nikolajewna Kaniskina, Olympiasiegerin von Peking und amtierende Weltmeisterin – zum dritten Mal in Folge.

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