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11.10.2012 von Marcel Kollmar

Linda Stahl

Das Finale ist das Ziel

Die am 2. Oktober 1985 in Steinheim, Nordrein-Westfalen, geborene Linda Stahl hat gehört nach Christina Obergföll zu den deutschen Speerwurf-Kandidatinnen für Olympia 2012.

Die Sportlerin, die mit sechs Jahren zusammen mit ihrem Bruder die Freude an der Leichtathletik entdeckte, studiert neben ihrer sportlichen Karriere Humanmedizin in Köln. 2003 wechselte sie vom Verein LG Lippe-Süd zum TSV Bayer 04 Leverkusen und Trainer Helge Zöllkau, der in derselben Trainingsgruppe auch Steffi Nerius trainierte.

Vor der Weltmeisterschaft in Daegu 2011 entdeckte Linda Stahl ihre Freude am Grillen als Abwechslung zu Sport und Studium. Im Wettkampf liegt ihre Bestweite bei 66,81 Metern – eine Weite, die ihr ihre bisher einzige internationale Medaille einbrachte: Gold bei den Europameisterschaften 2010. Ihre Heimat Nordrein-Westfalen wählte sie daraufhin zur Sportlerin des Jahres.

Überraschungserfolge und Verletzungspech

Ihren ersten großen Erfolg und ihre erste internationale Medaille erreichte Stahl 21-jährig durch den Titelgewinn bei den U23-Europameisterschaften im ungarischen Debrecen; ihre Siegesweite von 62,17 Metern ist bis heute die weiteste je bei diesem Wettbewerb geworfene Weite.

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschafften in Osaka 2007 gelang ihr mit einem Wurf über 62,80 die beste Qualifikationsleistung, im Finale wurde sie Achte. Das Olympiajahr 2008 begann vielversprechend mit guter Form, doch dann bereitete ihr ein Bandscheibenvorfall Probleme und sorge dafür, dass sie die Olympiaqualifikationsweite von 60,50 Metern um gerade einmal zwei Zentimeter verpasste.

Zu dem Zeitpunkt, da sie ihre persönliche Bestweite um mehr als drei Meter auf 66,06 Meter verbessern konnte und sich somit auf die dritte Stelle der Weltjahresbesten Liste setzte, war die der Qualifikationszeitraum bereits vorüber.

Ein Jahr später hatte Stahl mehr Glück: Die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Berlin gelang ihr ohne Probleme, beim Wettbewerb in Berlin erreichte sie ebenfalls mit Leichtigkeit das Finale und wurde am Ende Sechste.

Dennoch kam ihr Sieg bei den Europameisterschaften in Barcelona 2010 nicht nur für Stahl selbst unerwartet: Überraschend schlug sie sowohl ihre eigentlich stärkere Landesgenossin Christina Obergföll als auch die Siegerinnen der letzten beiden Weltmeisterschafften Barbora Špotáková und Marija Abakumowa, die sich letztlich mit dem zweiten, dritten und fünften Platz zufrieden geben mussten.

Bei den Weltmeisterschaften in Daegu zitterte sich Linda Stahl als Neunte durch die Qualifikation, ehe ihr abermals ihr Rücken einen  Strich durch die Rechnung machte: nach Problemen beim Aufwärmen musste sie auf den Start im Finale verzichten.

Linda Stahl: Außenseiterin nach London

Für das Olympiajahr 2012 hofft die Medizinstudentin nun auf eine verletzungsfreie Saison mit den nötigen Weiten für die Qualifikation. Bei den Spielen in London ins Finale zu kommen wäre bereits ein großer Erfolg für 26-Jährige, eine Medaille oder gar der Sieg ist im Angesicht der starken Konkurrenz nicht zu erwarten. Zwar gelang es Stahl bei Ihrem EM-Titelgewinn 2010 die stärksten Speerwerferinnen der Welt hinter sich zu lassen, doch blieben Obergföll, Špotáková und Abakumowa, die alle über 70 Meter weit werfen können, bei diesem Wettbewerb weit unter ihren Möglichkeiten, während Stahl eine neue persönliche Bestweite aufstellte, die sie seither nicht weiter hat verbessern können.

Völlig ausgeschlossen ist ein Podestplatz natürlich nicht, denn Stahl hat bereits einmal bewiesen, dass sie im Wettkampf über sich hinauswachsen kann, und die 70-Meter-Werferinnen haben bewiesen, dass solche Weiten nicht selbstverständlich sind. Doch bei den Olympischen Spielen werden sie auf jeden fall ihr Bestes geben, und eine Medaille für Stahl wäre eine sehr große – und erfreuliche – Überraschung.

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