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11.10.2012 von Marcel Kollmar

Irina Mikitenko

Überraschung bei ihrer letzten Olympiade?

Die Langstreckenläuferin Irina Mikitenko wurde am 23. August 1972 als Irina Wolynskaja im kasachischen Bakanas geboren und versuchte sich als Kind zunächst als Eiskunstläuferin.

Da eine Fortführung dieses Sports jedoch den Besuch eines weit entfernten Sportinternats erfordert hätte, wechselte sie mit Zwölf zur Leichtathletik, die sie als „die einfachste Sportart, die es gibt“ bezeichnet.

Aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Ausdauer wandte sich Wolynskaja dem Langstreckenlauf zu. Kurz nach ihrer ersten Olympiateilnahme bei den Spielen in Atlanta 1996 zog die Familie mit deutschen Wurzeln in die Heimat ihrer Uhrgroßeltern, wo Wolynskaja Alexander Mikitenko, den Sohn ihres Trainers Leonid Mikitenko, heiratet, der bald darauf auch ihr Training übernahm. Die beiden haben zwei Kinder.

2006 wechselte Mikitenko von der LG Eintrach Frankfurt zum TV Wattenscheid. Der Deutsch Leichtathletik Verband verlieh Irina Mikitenko 2008 die Auszeichnung „Leichtathletin des Jahres“.

Eine Europäerin im weltweiten Spitzenfeld

Mikitenkos Erfolgsgeschichte in Deutschland begann 1998, als Sie zum ersten Mal Deutsche Meisterin im 10.000-Meter-Lauf wurde. Im Jahr darauf holte Sie auch im 5000-Meter-Lauf den Titel und schaffte es gleich zwei Mal, über diese Entfernung unter 15 Minuten zu bleiben, was außer ihr nur drei weiteren deutschen Läuferinnen jemals gelang. Ihre Zeit von 14:42,03 Minuten ist bis heute deutscher Rekord.

Im Jahr 2000 konnte sie bei den Deutschen Meisterschaften ihren Titel über die 5000 Meter verteidigen und auch den im Crosslauf gewinnen. Später im selben Jahr brach sie mit einer Zeit von 8:30,39 Minuten über 3000 Meter den 17 Jahre alten deutschen Rekord von Brigitte Klaus. Bei den Olympischen Spielen von Sydney wurde Sie über die 5000 Meter fünfte, ebenso ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften von Edmonton.

Es folgten weitere deutsche Rekorde und der Sieg bei diversen Marathons, wie dem Padaborner Osterlauf, bei dem Mikitenko mit einer Zeit von 31:28 Minuten einen neuen deutschen Rekord über die 10.000 Kilometer Straßenlauf aufstellte. Insgesamt errang sie bis 2011 zwölf Deutsche Meistertitel und den Sieg bei drei internationalen Marathons: dem Berlin-Marathon und zwei Mal beim London Marathon.

Als sie 2007 bei ihrer ersten Teilnahme am Berlin-Marathon Zweite wurde, konnte sie sich mit 2:24:51 Stunden und der schnellsten Debüt-Zeit über diese Strecke aller Zeiten auf Anhieb für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren. Auf die Teilnahme an diesen musste Irina Mikitenko jedoch aufgrund einer hartnäckigen Beckenverletzung verzichten.

Foto: (c) Avda | Wikipedia.org

Es blieb nicht der einzige aussichtsreiche Wettkampf, den die gebürtige Kasachin absagen musste: Zwei Wochen vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin, bei denen sie als Mitfavoritin auf den Titel im Marathonlauf zählte, starb Mikitenkos Vater. Unfähig, sich auf das Training zu konzentrieren, sagte sie den Start wenige Tage in Voraus ab. Zwei Monate später gelang es ihr nach 2008 zum zweiten Mal, den Gesamtsieg bei den World Marathon Majors zu erringen.

2010 musste sie während des London-Marathons wegen Schmerzen im Fuß aufgeben, auf eine Teilnahme an den Europameisterschafften in Barcelona und an den Weltmeisterschaften im südkoreanischen Daegu verzichtete sie aufgrund des schwülwarmen Klimas. Stattdessen nutzte sie den Marathon in kühleren Chicago als Vorbereitung auf Olympia 2012 und wurde Fünfte.

Mikitenko auf dem Weg zu vierten Olympiade

Es sind Kenia, China und Japan, die die Medaillenränge bei den Marathonläufen der Frauen dominieren. Doch Irina Mikitenko hat bei ihren Läufen schon so manche Afrikanerin und Asiatin hinter sich gelassen – und für London hat sie sich eine Medaille, ihre erste bei Olympischen Spielen, fest vorgenommen.

Der Anlauf dazu war lang: die Spiele von London werden nach Atlanta, Sydney und der nicht wahrgenommenen Chance von Peking Mikitenkos vierte und vermutlich letzte Olympiade werden. Mit knapp 40 Jahren wird sie eine der ältesten Läuferinnen im Feld sein, doch London liegt ihr: Zwei Mal schon konnte sie dort den London-Marathon gewinnen, die Stadt betrachtet sie als zweite Heimat.  

Mit Dauerkonkurrentin Sabrina Mockenhaupt wird sie um die beste Deutsche Platzierung kämpfen, und ihre Chancen zumindest dieses Duell zu gewinnen, stehen nicht schlecht. Die klimatischen Bedingungen in England gefallen ihr gut und kommen ihrer Form zugute – und im Vergleich zu ihrer langen Karriere ist es noch gar nicht so lange her, dass Mikitenko mit  ihrer Siegesszeit von 2:19:19 Stunden beim Berlin-Marathon 2008 zur fünftschnellsten Läuferin aller Zeiten wurde.

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