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11.10.2012 von Marcel Kollmar

Christina Obergföll

Die Goldmedaille als realistisches Ziel

Unter den deutschen Speerwerferinnen ist Christina Obergföll die Beste, und auch in der Weltspitze ist die Baden-Württembergerin ganz vorn mit dabei: weltweit ist sie eine von nur vier Speerwerferinnen, die jemals weiter als 70 Meter warfen.

Zur Leichtathletik kam die Wahl-Offenburgerin, die am 22. August 1981 in Laar im Schwarzwald geboren wurde, durch ihre Grundschullehrerin, die früh ihr Talent erkannte. Heute startet sie als Speerwerferin für den LG Offenburg, wo sie von Werner Daniels trainiert wird. Neben ihrer sportlichen Laufbahn studiert Obergföll Sport- und Gesundheitsmanagement an der Universität Freiburg, zu Entspannung reist sie gerne in den Europapark Rust.

Privat lebt die 30-Jährige mit dem acht Jahre älteren Speerwerfer Boris Henry zusammen, der als Bundestrainer unter anderem auch Weltmeister Matthias de Zordo trainiert. Vor einem Wettkampf muss sie unbedingt gut schlafen: Ein Erfolgsrezept.

Christina Obergföll: Hohe Erwartungen, nicht immer erfüllt

In den Jahren 2000, 2001 und 2002 wurde Obergföll drei Mal in Folge Deutschen Juniorenmeisterin – ein vielversprechender Anfang für ihre Karriere. Die Erwartungen, die er weckte, konnte sie leider bei den Olympischen Spielen von Athen 2004 nicht halten, als sie als Fünfzehnte das Finale deutlich verpasste.

Ein Jahr später konnte Christina Obergföll diese Enttäuschung jedoch wieder wettmachen, als sie den Speer bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki auf 70,03 Meter warf – ein neuer Europarekord, der sie neben der Kubanerin Osleidys Menéndez, die mit 71,70 Metern und neuem Weltrekord den Wettbewerb gewann, zur gerade einmal zweiten Speerwerferin der Welt machte, die 70 Meter und mehr warf.

Allerdings waren Christina Obergfölls Leistungen nicht konstant. Ihre Form war unbeständig und ihre ungewöhnlich komplizierte Wurftechnik barg ein großes Verletzungsrisiko. Dies verschaffte ihren beständigeren Konkurrentinnen, wie der neun Jahre älteren deutschen Speerwurf-Größe Steffi Nerius, einen Vorteil im Wettkampf, machte sie aber auch zu einer unberechenbaren Gegnerin, die an einem guten Tag alle anderen übertreffen konnte.

Dies änderte sich in der Saison 2007: Nachdem Obergföll ihre Technik verbesserte hatte, zeigte sie ihre gute Leistungen nun mit Beständigkeit. Bereits zum Saisonstart übertraf sie Nerius’ Weite deutlich, später gewann wie den Speerwurf-Europacup, als sie sie ihren eigenen Europarekord auf 70,20 Meter verbesserte. Sie wurde zu ersten Mal Deutsche Meisterin und holte bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Osaka abermals Silber – wie zwei Jahre zuvor einen Platz vor Nerius liegend.

Bis zu den nächsten Weltmeisterschaften hielten Obergfölls Erfolge an: 2008 verteidigte sie ihren Deutschen Meistertitel, bei den Olympischen Spielen musste sie sich nur zwei Werferinnen geschlagen geben, die beide ihren Europarekord übertrafen. 2009 jedoch ließ sie der Erfolg kurzzeitig im Stich: Ausgerechnet bei den Heim-Weltmeisterschaften in Berlin errichte Obergföll mit enttäuschender Leistung nur Rang Fünf, während Steffi Nerius ihre lange Karriere als Weltmeisterin abschloss.

2010 wurde Obergföll bei den Europameisterschaften in Barcelona Zweite hinter ihrer Vereinskameradin Linda Strahl. Auch die Saison 2011 starte mit den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, doch abermals konnte Obergföll bei den Weltmeisterschaften in Daegu die Medaillenerwartungen nicht erfüllen und verpasste mit dem vierten Platz knapp das Podest.

Mit Aussicht auf eine olympische Medaille nach London

Bei internationalen Großereignissen sind Christina Obergfölls Ergebnisse so unberechenbar wie ihre Leistungen es einst immer gewesen sind. Zwar sind die Wurfweiten der 30-Jährigen durchgehend gut, doch die Konkurrenz ist stark und kann sie, abhängig von der Tagesform, durchaus überbieten. Von den drei anderen Speerwerferinnen, die die 70 Meter übertroffen haben, werden vermutlich mindestens zwei bei den Spielen in London gegen die größte deutsche Medaillenhoffnung antreten: die Tschechin Barbora Špotáková, Weltmeisterin von Osaka und Olympiasiegerin von Peking, und die amtierende Weltmeisterin, Marija Abakumowa aus Russland, haben beide bereits mehrfach bewiesen, dass sie den Speer weiter schleudern können als die Deutsche.

Doch kampflos wird Obergföll, der eine internationale Goldmedaille noch fehlt, sich den Sieg nicht nehmen lassen und ihr Kampf ist keinesfalls aussichtslos. Sollte es ihr gelingen, sich gegen ihre Konkurrentinnen durchzusetzen, würde sie in ihrer Disziplin nach Tilly Fleischer 1936 und Silke Renk 1992 die dritte olympische Goldmedaille für Deutschland gewinnen.

Foto:  Eckhard Pecher | Wikipedia.org

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