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11.10.2012 von Marcel Kollmar

Christian Reif

Schwerer Stand in der Weltspitze

Weitsprung ist die Disziplin des am 24. Oktober 1984 im rheinland-pfälzischen Speyer geborenen Christian Reif, der im Alter von acht Jahren über seinen Grundschullehrer dem Sport zugeführt wurde und neben Training und Wettkämpfen an der Universität Karlsruhe Sportmanagement studiert.

2001 wechselte er vom TSV Iggelheim zum ABC Ludwigshafen, wo er von Ulrich Knapp trainiert wird. Mit dreizehn wollte er wie so viele Jungen Fußballer werden, doch sein Vater konnte in überzeugen im Sandkasten zu bleiben. 

Zunächst trainierte Christian Reif Mehrsprung, erst mit sechzehn wandte er sich dem Weitsprung zu. Wenn Studium und Training dem 1,96 Meter großen mehrfachen deutschen Meister Zeit lassen, surft er im Internet – sofern er nicht gerade politisch aktiv ist. Reif ist seit 2007 Mitglied der Jungen Union, kandidierte 2009 bei den Gemeinderatswahlen auf der Liste der CDU sogar um einen Einzug ins Kommunalparlament, der ihm jedoch nicht gelang. Im Jahr 2011 stellte er für seine Partei den Kopf einer Mitgliederwerbekampagne.

Zwischen Medaillenjagd und Verletzungen

Seinen ersten Titel gewann der damals Siebzehnjährige 2001 bei den Süddeutschen Juniorenmeisterschaften. Im selben Jahr schaffte er es auch bei den Deutschen Jugendmeisterschaften und den Jugendhallenmeisterschaften als Zweiter und Dritter auf das Podest. Nachdem er 2003 verletzt pausieren musste, konnte er seine Erfolge in den folgenden Jahren stetig verbessern. 2004 wiederholte er seinen Titelgewinn bei den Süddeutschen Jugendmeisterschaften, 2006 konnte er auch bei den Süddeutschen Meisterschafften im Erwachsenenbereich den Titel holen. Den Titel des Süddeutschen Juniorenmeisters im Weitsprung gewann Christoan Reif in jenem Jahr zum dritten und letzten Mal, und auch bei der gesamtdeutschen Meisterschaft gelang ihm 2006 der Sieg.

Seit 2007 ist Christian Reif vollends im Erwachsenensport etabliert. In diesem Jahr wurde er zum ersten Mal Deutscher Meister, als er mit einer Weite von 8,08 Metern zum ersten Mal über acht Meter sprang und sich damit auch für die Weltmeisterschaften in Osaka qualifizierte. Zwar konnte er dort seine persönliche Bestweite in der Qualifikation auf 8,19 Meter steigern, im entscheidenden Durchgang wurde er mit 7,95 Metern aber nur Neunter und verpasste so knapp den Wettstreit der besten Acht.

2008 musste er abermals verletzt pausieren: Ausgerechnet im Olympiajahr zog er sich beim Training einen Muskelfaserriss zu und konnte sich so nicht für die Spiele in Peking qualifizieren. 2009 sah besser aus: Er gewann die DecaNation und wurde Dritter beim Shanghai Golden Grand Prix. Das bisher beste Jahr des Weitspringers war jedoch 2010, als er zum zweiten Mal Deutscher Meister wurde, zum ersten Mal auch die Deutschen Hallenmeisterschaften für sich entscheiden konnte, und schließlich bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona mit einer persönlichen Bestleistung von 8,47 Metern seine erste international Medaille holen konnte: Gold.

Im Vor-Olympiajahr 2011 wurde der Weitspringer mit der Mannschaft bei den Team-Weltmeisterschaften in Stockholm Zweiter, in Daegu, Südkorea, konnte er sich erneut mit den Besten aus aller Welt messen und verbesserte sein Ergebnis dieses Mal auf einen respektablen fünften Platz.

Christian Reifs Ziel ist Olympia

Wie so viele leichtathletische Disziplinen ist auch der Weitsprung keine Domäne der Europäer. In der Liste der olympischen Medaillengewinner, die bis ins Jahr 1896 zurückführt, sind die USA als Nation am häufigsten vertreten. Zwar gewann bei den Spielen von Peking 2008 der Panamaer Irving Saladino vor Athleten aus der Republik Südafrika und Kuba, doch der amerikanische Olympiasieger von 2004, Dwight Phillips, der 2008 bei den Trials als viertbester die Qualifikation für Olympia nicht schaffte, konnte bei der Weltmeisterschaft 2011 noch einmal beweisen, dass er trotz seiner damals 34 Jahre noch immer weiter springen kann als jeder andere und holte sich den Titel – zum vierten Mal.

Wenn er die Qualifikation für Olympia  dieses Mal schafft, ist er einer der großen Favoriten auf den Sieg. Für Christian Reif ist schon damit ein großes Ziel erreicht, nach London reisen zu können und dort das Finale zu erreichen. Dabei liegt seine persönliche Bestleistung liegt mit 8,47 Metern nicht einmal besonders weit hinter Phillips Bestweite von 8,74 Metern, die dieser 2009 erreichte. Die Leistungsdichte in der Weltspitze ist hoch, und vielleicht kann der Deutsche Leichtathlet des Jahres 2010 die Weltelite in London tatsächlich überraschen.

Die Statistik spricht jedoch gegen Ihn: Unter den 81 Athleten, die bei den Olympischen Spielen eine Medaille im Weitsprung holen konnten, befinden sich sehr wenige Europäer und nur ein einziger Deutscher: Luz Long, der sich 1936 in Berlin nur Leichtathletiklegende Jesse Owens geschlagen geben musste.

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